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7 Giga-Becquerel für die USA | Neues im Skandal von Obrigheim

Wohin wurde der Reaktordruckbehäler-Deckel verschoben? - Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Im Skandal um den klammheimlichen Transport des Reaktordruckbehälter-Deckels des stillgelegten baden-württem­bergischen AKW Obrigheim gibt es einige Neuigkeiten. Wir hatten erstmals am 24. September hierüber berichtet. Mit Hilfe einer Kleinen Anfrage der SPD-Landtags­abgeordneten Gabi Rolland kam zutage, daß die Radioaktivität dieses rund 66 Tonnen schweren Stahl-Deckels für das Jahr 2014 mit 7 Giga-Becquerel (GBq) angegeben wird. Das ist rund fünf mal so viel wie noch im Jahr 2013 offiziell mitgeteilt wurde. Wie stark versprödet der Stahl durch die Neutronenstrahlung war, läßt sich nicht mehr feststellen, denn längst wurde der Deckel eingeschmolzen.

Ob alle Informationen, die Tempo-177-Minister Franz Untersteller vor wenigen Tagen an die Landtagsabgeordnete Gabi Rolland gab, zutreffen, ist weiterhin fraglich. Laut den Angaben eines Whistleblowers, der die Aufdeckung des Skandals ins Rollen brachte, wurden sowohl der Deckel als auch der rund 135 Tonnen schwere Reaktordruckbehälter ins schwedische Studsvik verschoben, um den Stahl dort einzuschmelzen.

Für viele ist bis heute der Hintergrund des Skandals unklar. Lediglich in zweiter Linie geht es darum, daß die pseudo-grüne baden-württembergische Landesregierung gegen zwei von ihr selbst aufgestellte Grundsätze verstoßen hat - keinen Atommüll ins Ausland zu transportieren und beim AKW-Abriß transparent vorzugehen. In erster Linie geht es darum, daß Beweismittel vernichtet wurden. Denn nach dem Einschmelzen des Metalls kann nicht mehr festgestellt werden, wie stark der Stahl des Reaktordruckbehälters in dem rund 37 Jahre betriebenen AKW Obrigheim versprödet war. Wenn Versprödung und Risse nachgewiesen werden können, müssen die immer noch sechs in Betrieb befindlichen deutschen Atomkraftwerke sofort stillgelegt werden. Der weitere Betrieb aber spült den Betreibern rund eine Million Euro pro Tag und pro Reaktor an Profit in die Kassen.

Nur zur Erinnerung:
"In keinem anderen Bundesland wird die Öffentlichkeit derart intensiv über das gesetzliche Maß hinaus eingebunden," behauptete der baden-württembergische sogenannte Umweltminister Franz Untersteller im Jahr 2015 und lobte sich damit indirekt selbst.

Ob die jetzigen Angaben der baden-württembergischen Landesregierung zutreffen, ist weiterhin fraglich. Die radioaktive Belastung des Reaktordruckbehälter-Deckels lag nach den aktuellen Angaben bei 7 Giga-Becquerel. Dies schließt aus, daß dieser Stahl noch als Wertstoff bezeichnet werden könnte. Wenn Atommüll als Wertstoff deklariert wird, eröffnet dies erfahrungsgemäß ein Hintertürchen in den gesetzlichen Vorschriften, um ihn ins Ausland transportieren zu können. In diesem Falle aber ist diese Ausrede verbaut - selbst dann, wenn die Angabe von 2013 zuträfe. Damals erklärte die Landesregierung, die radioaktive Belastung des Reaktordruckbehälter-Deckels von Obrigheim betrage 1,4 Giga-Becquerel.
(https://um.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-um/intern/Dateien...,
Seite 82, Unterpunkt 4.3.21)

Weiter behauptet die baden-württembergische Landesregierung in Beantwortung der Anfrage von Gabi Rolland:
"Der in vier Teile zerlegte Deckel des Reaktordruckbehälters wurde im Auftrag der EnBW Kernkraft GmbH in die USA zur Firma Energy Solutions Inc. in Oak Ridge gebracht und dort der Verwertung zugeführt. Der Transport startete am 27. November 2014."

Nach Angaben des Whistleblowers, die im September 2020 durch weitere Informationen teilweise gestützt wurden, erfolgte der Transport allerdings nicht im Jahr 2014, sondern am 15. August 2017. Und für diesen Tag ist in offiziellen Dokumenten auch ein Transport von Obrigheim über die Ostsee nach Schweden verzeichnet. Im Übrigen ist bekannt, daß Großkomponenten des AKW Stade nach dessen Stilllegung im Jahr 2002 - so etwa im September 2007 die vier Dampferzeuger mit einer Masse von zusammen 660 Tonnen - ins schwedische Studsvik zum Einschmelzen transportiert wurden.

Auch ist klar, daß keinerlei Notwendigkeit besteht, radioaktiv kontaminierte Großkomponenten aus stillgelegten Atomkraftwerken möglichst schnell einzuschmelzen. Bekanntlich werden im Zwischenlager Lubmin sowohl Dampferzeuger als auch Reaktordruckbehälter bereits seit vielen Jahren dort bis zu ihrer Zerlegung zwischengelagert.


Reaktordruckbehäler und Dampferzeuger im sogenannten Zwischenlager Lubmin - Foto: ZLN - gemeinfrei

Immerhin räumt die baden-württembergische Landesregierung jetzt ein:
"Ja, das Umweltministerium wurde vorab von der EnBW Kernkraft GmbH über den am 27. November 2014 startenden Transport informiert."

Warum die Öffentlichkeit nicht informiert wurde, erklärt sie so:
"Transporte radioaktiver Stoffe erfolgen gemäß den geltenden Vorschriften. Aufgrund ihrer Vielzahl und geringen Bedeutung für die Bevölkerung werden sie - wie auch andere Gefahrguttransporte - nicht einzeln öffentlich angekündigt."

Dies widerspricht jedoch der Tatsache, daß zwei Jahre davor, im Jahr 2012, ein anderer Transport von Atommüll der Öffentlichkeit nicht geheim gehalten, sondern öffentlich angekündigt wurde: Zwei Dampferzeuger sowie zwei Motoren aus Obrigheim wurden im Mai 2012 nach Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern transportiert. Diese Fracht war deutlich weniger stark radioaktiv belastet als der Reaktordruckbehälter-Deckel.
(www.enbw.com/unternehmen/presse/kernkraftwerk-obrigheim-komponenten-werd...)

Nach wie vor behauptet die baden-württembergische Landesregierung, daß der in Stücke zersägte Reaktordruckbehälter in Kisten verpackt auf dem Gelände des stillgelegten AKW Obrigheim lagere. Möglicher Weise aber dient die bisher nicht durch unabhängige Quellen zu verifizierende Geschichte von dem Transport in die USA nur zur Verschleierung - und sowohl der Deckel als auch der Reaktordruckbehälter wurden am 15. August 2017 nach Studsvik verfrachtet und zusammen eingeschmolzen. Diesem Verdacht könnte Untersteller leicht entgegentreten. Er müßte lediglich die angeblich in Obrigheim lagernden Kisten mit den Teilen des Reaktordruckbehälters für eine unabhängige Untersuchung freigeben. Eine solche Untersuchung könnte zugleich aufklären, wie stark der Stahl von Reaktordruckbehältern tatsächlich durch die enorme Einwirkung von Neutronenstrahlung altert und versprödet.

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