AKW Fessenheim: Dichtungsdefekt, Stilllegung weiterhin ungewiß

1.03.2015, AKW Fessenheim: Dichtungsdefekt, Stilllegung weiterhin ungewiß
AKW Fessenheim
Colmar (LiZ). Das AKW Fessenheim ist erneut außer Betrieb. Diesmal mußte Reaktor I heruntergefahren werden, weil nach offiziellen Aussagen Probleme mit einer Dichtung im Maschinenraum vorlagen. Reaktor II war bereits in der Nacht zum Samstag für mehrwöchige Routine-Wartungsarbeiten heruntergefahren worden. Wann das älteste AKW Frankreichs stillgelegt wird, ist weiterhin völlig offen.

Das älteste AKW Frankreichs, das nur 24 Kilometer Luftlinie von der südbadischen Stadt Freiburg entfernt ist, produziert gegenwärtig keinen Strom. Gefährlich ist es auch in abgeschaltetem Zustand, denn die Kühlung der Uran-Brennstäbe im Reaktordruckbehälter muß permanent gewährleistet sein. Wie durch die Untersuchungen an belgischen Reaktordruckbehältern erneut an die Öffentlichkeit drang, besteht weltweit ein enormes Risiko, daß ein Reaktordruckbehälter wegen der durch den Neutronen-Beschuß zunehmenden Material-Versprödung bricht. Die Folge wäre im Falle des AKW Fessenheim ein Super-GAU, der die gesamte Region bis nach Rotterdam für Jahrzehnte vernichten könnte. Und weiterhin sterben auch in der Umgebung von Fessenheim dies- und jenseits des Rheins Kinder an Leukämie infolge der im "Normalbetrieb" abgegebenen Radioaktivität.

Von Seiten des französischen Strom-Konzerns EdF hieß es, am Samstag sei ein "Problem" an einer Dichtung im Maschinenraum von Reaktor I festgestellt worden. Die MitarbeiterInnen würden derzeit die Ursache untersuchen. Und wie üblich folgt der Standard-Schlußsatz wonach es keine Beeinträchtigung von Mensch und Umwelt gäbe.

Die beiden Druckwasser-Reaktoren à 880 MW wurden am 6. April und am 7. Oktober 1977 in Betrieb genommen. Das Versprechen des pseudo-sozialistischen französischen Präsidenten François Hollande aus dem Wahlkampf 2011/2012, das AKW Fessenheim bis spätestens zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2016 stillzulegen, hatte sich - wie leicht vorherzusehen war - schnell in Luft aufgelöst. Bis heute fehlen die für eine Stilllegung des AKW Fessenheim nötigen gesetzlichen Grundlagen. Und Francis Rol-Tanguy, der 2012 als Beauftragter der französischen Regierung für die Stilllegung eingesetzt worden war, hatte bereits Anfang 2013 ganz unverhohlen bekundet, die Vorbereitung einer Stilllegung des AKW Fessenheim dürfe eine im Frühjahr 2017 neugewählte Regierung nicht daran hindern, die Betriebsgenehmigung des AKW Fessenheim weiter zu verlängern.

Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Hollande im Jahr 2012 auch ein Dekret zum Bau eines Kernfusions-Reaktors unterzeichnet. An die atomare Abrüstung - eine der Voraussetzungen für einen französischen Atom-Ausstieg - ist unter Präsidenten wie Sarkozy und Hollande nicht zu denken. Erst kürzlich hatte François Hollande seinen psychischen Zustand offenbart, als er am 19. Februar sich in einer Rede stolz über 'force de frappe' zeigte. Bei dieser Gelegenheit behauptete er zudem, die französische Nuklear-Streitmacht gestatte es den FranzösInnen "frei zu leben".

Quelle LINKSZEITUNG
http://www.linkszeitung.de/akwfes150301liz.html

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