AKW Neckarwestheim | Zum vierten Mal neue Risse

AKW Neckarwestheim, Rrojektion Riß - Grafik: ausgestrahlt - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Bereits in den Jahren 2017, 2018 und 2019 wurden gefährliche Risse in den Dampferzeugern des baden-württembergischen AKW Neckarwestheim entdeckt. Bei der laufenden Revision kam nun zu Tage, daß sich auch in den vergangenen zwölf Monaten - also zum vierten Mal in Folge - neue Risse gebildet haben. Atomkraft-GegnerInnen fordern die sofortige Stilllegung des AKW. Doch die Kretschmann-Regierung steht auf der Seite des pseudo-grünen AKW-Betreibers EnBW.

Nach Informationen der Anti-Atom-Organisation '.ausgestrahlt' haben sich auch in den vergangenen Monaten neue Risse in den Dampferzeuger-Heizrohren von Reaktor II des AKW Neckarwestheim gebildet. Reaktor I war im Jahr 2011 stillgelegt worden.* Über das Ergebnis der aktuellen Riß-Untersuchungen haben bis dato weder EnBW noch das "Umwelt"-Ministerium, das formell als Atomaufsicht fungiert, öffentlich informiert.

Atomkraft-GegnerInnen fordern "Riß-Reaktor abschalten, bevor es kracht!" und projizierten in der Nacht auf Mittwoch, den 8. Juli, einen gigantischen, wachsenden Riß auf die Reaktorkuppel des AKW Neckarwestheim. Sie wiesen erneut darauf hin, daß das AKW Neckarwestheim so nicht sicher betrieben werden kann. Offensichtlich ist das Riß-Wachstum nicht zu stoppen. Dies belegt erneut, daß die Dampferzeuger irreversibel geschädigt sind. Bereits am 19. Juni 2020 forderten daher der BUND Baden-Württemberg, die Anti-Atom-Organisation '.ausgestrahlt' und der Bund der Bürgerinitiativen Mittlerer Neckar e.V. (BBMN) bei einer Pressekonferenz die sofortige Stilllegung des Atomkraftwerks (Siehe unseren Artikel v. 19.06.20).

Von der baden-württembergischen "grün-schwarzen" Landesregierung unter dem pseudo-grünen Winfried Kretschmann ist allerdings keine Hilfe zu erwarten. Schon kurz nach der Landtagswahl im März 2011 hatte der nunmehr seit neun Jahren amtierende "Umwelt"-Minister Franz Untersteller öffentlich bekundet, die baden-württembergischen Atomkraftwerke seien sicher. Zugleich versuchen Kretschmann und Untersteller den Anschein zu erwecken, sie seien Atomkraft-Gegner. Doch immer deutlicher zeigt sich, wessen Interessen sie vertreten. Kaltblütig nehmen sie das Risiko eines Super-GAU in Baden-Württemberg in Kauf.

AKW Neckarwestheim, Super-GAU - Grafik: Project flexRISK - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Erst vor wenigen Monaten hat die Reaktorsicherheitskommission ausdrücklich gewarnt, daß solche Risse - wie sie im AKW Neckarwestheim gefunden wurden - jederzeit auch sehr schnell wachsen können. Reißt auch nur ein einziges der mehr als 16.000 Heizrohre eines Dampferzeugers ab, ist das bereits ein komplizierter Kühlmittelverluststörfall, der sich bei weiteren Schäden bis zum Super-GAU entwickeln kann.

Seit 2018 ist bekannt, daß der Reaktor des AKW Neckarwestheim im gestörten Betrieb ist. Schon 2017 wurden die ersten Risse entdeckt. Bis heute sind die vorgeschädigten Dampferzeuger nicht ausgetauscht worden. Ein AKW in einem derart gestörten Zustand weiter zu betreiben, widerspricht nicht nur dem deutschen Kerntechnischen Regelwerk, sondern mißachtet auch international geltende Sicherheitsstandards. Das AKW hätte dementsprechend bereits 2018 nicht mehr ans Netz gedurft.

Anmerkung
* Die Stilllegung von Neckarwestheim I erfolgte im Sommer 2011 aufgrund eines Vier-Parteien-Kompromisses im Bundestag, der vielfach euphemistisch als "Zweiter Atom-Ausstieg" bezeichnet wird. 8 von 17 Atom-Reaktoren wurden sofort stillgelegt - also weniger als die Hälfte. Genau betrachtet waren es nur 6 von 17, denn die Atomkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel waren schon seit 2007 irreparabel defekt - galten aber formal noch als "in Betrieb".

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