Atommüll - verschenkt und verteilt | Profite privatisieren und Kosten sozialisieren

Atommüll-Fässer in der Landschaft - Symbolbild - Foto: rabedirkwennigsen - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Seit dem Beginn des sogenannten Atomzeitalters vor mehr als siebzig Jahren steht die Frage im Raum, wo der gefährliche Atommüll sicher gelagert werden könnte. Die AKW-Betreiber haben vor wenigen Jahren auch in Deutschland eine Lösung gefunden, wie sie sich aus der Verantwortung stehlen können. Die sogenannten Zwischenlager bekam der Staat quasi geschenkt und auch die Endlagerfrage wurde sozialisiert.

Die Zukunft der 16 "Zwischen"-Lager in Deutschland, von denen allein 12 als Resultat des "Atom-Ausstiegs" in der Ära von "Rot-Grün" zwischen 1998 und 2005 errichtet wurden, ist völlig ungewiss. Denn irgendwann - und dies nicht erst in hundert Jahren - werden die darin abgestellten CASTOR-Behälter mit hochradioaktive Atommüll undicht und brüchig. Wenig von der Öffentlichkeit beachtet, wurden die "Zwischen"-Lager mit hochradioaktivem Atommüll zum 1. Januar 2019 an den Staat übereignet - die "Zwischen"-Lager mit mittel- und schwachradioaktivem Atommüll sollen am 1. Januar 2020 folgen. Auch zwei solche Gebäude auf dem Gelände der Atom-Ruine Obrigheim mit mittel- und schwachradioaktivem Atommüll sollen auf diese Weise sozialisiert werden.

Der hochradioaktive Atommüll aus Obrigheim wurde bereits 2017 - begleitet von Protesten und Blockaden der Anti-Atom-Bewegung - ins "Zwischen"-Lager des AKW Neckarwestheim verfrachtet. Dieses ist nun im Besitz der staatlichen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ). Und der Reaktordruckbehälter des Atomkraftwerks, der auf Materialversprödung hin hätte untersucht werden können, wurde bereits eilig zersägt und in Kisten verpackt nach Schweden verschoben.

Daß die "Zwischen"-Lager mit hochradioaktivem Atommüll in staatlichen Besitz übergingen, ist nach Ansicht der Bürgerinitiative 'AtomErbe Obrigheim' ein "vergiftetes Geschenk", denn dieses werde "hohe Kosten verursachen". Wer zukünftig die Rechnung bezahlt, wenn die 23,5 Milliarden Euro aus dem Fonds, in den die AKW-Betreiber eingezahlt haben, nicht reichen, dürfte klar sein.

Daneben gibt es den "Atommüll der dritten Art", auf den die Bürgerinitiative seit Jahren hinweist. Auch dieser Müll soll weg, allerdings sieht die Lösung bisher so aus, daß er in die Umwelt verteilt wird - nach dem Motto: Aus dem Auge, aus dem Sinn. Er landet auf Deponien und in Müllverbrennungsanlagen (beispielsweise im Müllheizkraftwerk Mannheim), aber der allergrößte Teil darf frei weiterverwertet werden. Dabei handelt es sich um Abfälle, die im Betrieb und beim Abbau anfallen und deren radioaktive Belastung unterhalb gesetzlich vorgegebener Grenzen liegt.

Die Einhaltung der willkürlich und ohne wissenschaftliche Begründung festgelegten Grenzwerte muß durch eine Messung nachgewiesen werden. Der radioaktive Müll wird "freigemessen" und ist danach angeblich nicht mehr radioaktiv. Dann darf er als "normaler" Müll behandelt werden, obwohl er künstlich erzeugte radioaktive Stoffe enthält, die gesundheitliche und genetische Schäden verursachen können. Kurz vor dem Weihnachtsfest sollen wieder mehr als 300 Tonnen solcher radioaktiv belasteter Abfälle aus der Atomruine Obrigheim auf die Deponie nach Buchen-Sansenhecken gebracht werden.

Die Bürgerinitiative 'AtomErbe Obrigheim' lehnt die Einordnung von radioaktiven Abfällen als "normalen" Müll ab und fordert einen Stop der Verteilung. Sie wird dabei auch von der ÄrztInnen-Organisation IPPNW unterstützt. Auch der Bundeskongress der deutschen Ärzteschaft wandte sich in einem Beschluß im Mai 2017 gegen die Verteilung von schwachradioaktivem Atommüll auf oberirdische Deponien.

Besonders negativ bewertet die Bürgerinitiative 'AtomErbe Obrigheim' eine unkontrollierte Weiterverwertung solcher "freigemessener" Abfälle aus Atomanlagen wie etwa eingeschmolzenen Metallen. "Jeder kann mit diesen Materialien in Berührung kommen, ohne es zu merken," befürchtet Gertrud Patan, Mitglied der Bürgerinitiative.

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