Brand im Tschernobyl-Wald | Überblick über die vergangenen drei Wochen

Brand im Tschernobyl-Wald - Foto: Europäische Weltraumorganisation (ESA) - Lizenz: gemeinfrei

Wir berichteten bereits am 5. April über den Brand im Tschernobyl-Wald und die davon ausgehende Gefahr, daß radioaktive Partikel durch den Rauch weiträumig verteilt werden. Doch offenkundig wurde in den vergangenen drei Wochen - entsprechend dem Vorbild von 1986 - versucht, zu verharmlosen.

So wurde etwa am 14. April in den Mainstream-Medien gemeldet: Behörden zufolge gab es durch die seit zehn Tagen währenden Brände erhöhte Werte des radioaktiven Stoffs Cäsium-137 in Kiew. Sie seien jedoch unterhalb der Grenzwerte geblieben, hieß es.

"In Kiew gibt es nur Rauch, keine Radioaktivität", versicherte der Bürgermeister und Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko am Freitag auf der anti-sozialen und anti-demokratischen Plattform Facebook, die auch vielfach als ein "social media" bezeichnet wird.

Ebenfalls am 14. April war in der ARD Tagesschau zu erfahren: "Der Katastrophenschutz der Ukraine meldet, die Brände rund um die Atomruine in Tschernobyl seien gelöscht."

Und am 15. April meldete der Donaukurier:
"Satellitenfotos zufolge war insgesamt eine Fläche von 10.500 Hektar abgebrannt. Regen hatte für Löscherfolge gesorgt."

Diverse Medienberichte widersprachen dieser Darstellung jedoch. Noch am Montag, 13. April, sollen in der Sperrzone um die AKW-Ruine Tschernobyl zehntausende Hektar Wald gebrannt haben, berichtete die 'Süddeutsche Zeitung'. Laut Greenpeace Rußland sei das Feuer an der nächstgelegenen Stelle nur 1,5 Kilometer von der AKW-Ruine entfernt gewesen. Die Organisation berufe sich dabei auf Satellitenbilder, berichtete die 'Berliner Morgenpost'.

Dann hieß es wieder beschwichtigend:
"Kiew ist nicht so weit entfernt von Tschernobyl, und viele Menschen haben einen privaten Geigerzähler. Sie können die Strahlung selbst messen. Wenn die Radioaktivitätswerte stark ansteigen würden, könnte das die Regierung nicht vertuschen." Tatsache ist jedoch, daß es sich bei dem gefährlichsten Stoff, der durch den Brand über weite Landstriche verteilt werden kann, um Plutonium handelt. Plutonium ist ein Alphastrahler. Plutonium mit einem Geigerzähler zu detektieren, ist so aussichtslos, wie die bekannte Nadel im Heuhaufen zu finden.

Brand im Tschernobyl-Wald - Foto: Europäische Weltraumorganisation (ESA) - Lizenz: gemeinfrei

Zuerst wurden nur 20 Hektar brennender Wald gemeldet. Dann hieß es am Sonntag, 5. April, der Wald in der Sperrzone um das 1986 bei einem Super-GAU zerstörte AKW Tschernobyl brenne auf einer Fläche von rund 100 Hektar. Am Ostersamstag, 11.04., lagen dann Satellitenbilder vom Sonntag, 5.04., vor, aus denen hervorgeht, daß also zu diesem Zeitpunkt nicht 20 und nicht 100 Hektar, sondern bereits ein Gebiet von rund 2.400 Hektar innerhalb des Sperrgebiets in Flammen gestanden hat.

Am 16. April vermeldete dann der Bayerische Rundfunk:
"In dem radioaktiv belasteten Waldgebiet nahe dem ehemaligen Atomkraftwerk Tschernobyl ist Satellitenfotos zufolge eine Waldfläche von 11.500 Hektar abgebrannt."

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace geht vom Vierfachen aus. "Ein Großteil der Flächen ist seit der Explosion des Atommeilers 1986 mit Cäsium-137, Plutonium-239 und Strontium-90 belastet", erklärte Greenpeace.

Eingeatmet als Plutonium-Oxid kann ein Gramm Plutonium-239 über 4000 Menschen töten, indem es zuverlässig Lungenkrebs hervorruft. Allein in Hinblick auf die chemische Giftigkeit liegt die für einen Menschen tödliche Dosis liegt wahrscheinlich im zweistelligen Milligramm-Bereich.

Am 18. April hieß es dann in der ARD Tagesschau:
"Immer noch kämpfen die Feuerwehrleute in dem Gebiet um das Atomkraftwerk Tschernobyl gegen die Brände an."

Weiterhin wird bis heute über die Mainstream-Medien der Eindruck vermittelt, die durch den Brand verursachte zusätzliche Strahlung - ein Begriff der an dieser Stelle irreführend ist - läge im Bereich der natürlichen Hintergrund-Strahlung.

Tatsächlich jedoch hat bereits im Jahr 2015 eine Arbeitsgruppe eines norwegischen Forschungsinstituts die Daten zweier Brände in der Sperrzone ausgewertet. Diese Brände aus dem April und August 2015 haben insgesamt mehr als 5.000 Hektar Wald vernichtet. Durch sie gelangten insgesamt 3,8 Gramm Plutonium, 3,3 Gramm Cäsium-137 und kleine Mengen anderer Radionuklide in die Luft.

Betrachten wir mal nur das Plutonium und lassen das Cäsium-137 und die anderen radioaktiven Nuklide - in Gedanken - beiseite. Und gehen wir zur Abschätzung beim aktuellen Brand mal nur von 11.500 Hektar statt 40.000 Hektar aus. Wir müssen also davon ausgehen, daß rund 8 Gramm Plutonium in den vergangenen Wochen in der Luft verteilt wurden. Eingeatmet würden diese 8 Gramm Plutonium ausreichen, um 30.000 Menschen zu töten. Es ist schwer abzuschätzen, wie viel dieser 8 Gramm tatsächlich von Menschen eingeatmet wird. Es wird auch nie ermittelt, ob ein Tod durch Lungenkrebs von Plutonium verursacht wurde, denn das Plutonium in einer Leiche zu detektieren, wäre sehr aufwendig.

Festzuhalten bleibt allerdings, daß durch den Brand im Tschernobyl-Wald erhebliche Mengen an Plutonium-239 freigesetzt wurden. Bei einer Halbwertszeit von 24.000 Jahren kann Plutonium-239 also noch für hunderttausende von Jahren Schäden in der Biosphäre verursachen und bei vielen Lebewesen zu irreparablen genetischen Mutationen führen.

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