Brand im Tschernobyl-Wald verteilt Radioaktivität weiträumig

Waldbrand - Grafik: geralt - Creative-Commons-Lizenz 0

Der Wald in der Sperrzone um das 1986 bei einem Super-GAU zerstörte AKW Tschernobyl brennt auf einer Fläche von rund 100 Hektar. Zunächst wurden nur 20 Hektar brennender Wald gemeldet und es hieß zudem, es bestehe keine Gefahr für Mensch und Umwelt.

Offenbar behindert die stellenweise immer noch hohe Strahlung die Löscharbeiten. "Im Zentrum des Brandes ist die Radioaktivität überdurchschnittlich hoch," sagte Jegor Firsow, Leiter des staatlichen Umweltinspektionsdienstes, heute. Nach eigenen Messungen mit einem Geigerzähler lägen die Werte um das 15-Fache über dem "Normalwert" - was auch immer er als "normal" bezeichnet.

Laut offiziellen Angaben waren heute (5.04.20) zwei Flugzeuge, ein Hubschrauber und etwa hundert Feuerwehrmänner im Einsatz, um das am gestrigen Samstag ausgebrochene Feuer zu bekämpfen. Schon am Samstag Abend hatten die ukrainischen Rettungsdienste von "Schwierigkeiten" bei den Löscharbeiten wegen der erhöhten Radioaktivität in einigen Bereichen berichtet. Auch in der Luft wurde eine Zunahme der Radioaktivität festgestellt.

Infolge des bei einem Brand durch die Hitze entstehenden Kamineffekts wird radioaktiv kontaminierter Rauch in höhere Luftschichten getragen. Auf diese Weise wird Radioaktivität - ebenso wie dies beim Super-GAU vor 34 Jahren der Fall war - über hunderte Kilometer verteilt und kann als Fallout selbst entlegene Gebiete Europas erreichen. Es ist daher ganz offensichtlich Verharmlosung, wenn verlautbart wird, umliegende Ortschaften seien nicht betroffen.

In den Mainstream-Medien werden auch schon wieder die notorischen und wissenschaftlich unhaltbaren Vergleiche einer "leicht erhöhten Radioaktivität" mit der Belastung etwa bei einem Transatlantikflug gezogen. Der entscheidende Unterschied zu der mit dem Rauch verbreiteten Radioaktivität besteht darin, daß weder bei einer Flugreise noch beim Röntgen eine erhöhte Gefahr besteht, radioaktive Partikel einzuatmen.

Radioaktive Strahlung aus dem Weltraum, die auf die Passagiere eines Transatlantikfluges trifft oder Strahlung, die von einer Granitplatte in der Küchenzeile ausgeht, dringt zum Teil erst gar nicht durch die Haut ein und strahlt, wenn sie vom Körper absorbiert ist, dort nicht mehr weiter. Die Strahlenquelle liegt im All, in der Sonne oder ist im Gestein gebunden. Im Gegensatz zu einer 100-mrem-Belastung durch Fallout - verursacht etwa durch den radioaktiven Rauch eines Brandes - sendet eine 100-mrem-Belastung durch eine Röntgenaufnahme keine radioaktiven Partikel aus, die vom Menschen aufgenommen werden können.

Am 26. April 1986 ereignete sich ein durch menschliches Fehlverhalten verursachter Super-GAU in Reaktorblock 4 des AKW Tschernobyl. Der radioaktive Fallout kontaminierte weite Teile Europas. Noch heute wird in Wildschweinen aus Bayern und Baden-Württemberg Radioaktivität nachgewiesen, die nachweislich aus diesem Fallout stammt. In einem Umkreis mit Radius von 30 Kilometern um das havarierte AKW wurde vor 34 Jahren eine Sperrzone eingerichtet. Zehntausende wurden zwangsumgesiedelt.

Die Explosion in Reaktorblock 4 und ein anschließendes Feuer setzten Radioaktivität frei, die durch Winde über weite Teile Europas verteilt wurde. 31 Menschen starben direkt nach dem Unfall. Hunderttausende Menschen wurden aus der Gegend evakuiert. Von der Katastrophe besonders betroffen sind die Ukraine mit 15 Prozent und Weißrußland (Belarus) mit 70 Prozent der radioaktiven Niederschläge. Unabhängige WissenschaftlerInnen schätzen, daß allein in den ersten 15 Jahren - also bis 2001 - insgesamt rund 70.000 Menschen an den Folgen der Tschernobyl-Katastrophe gestorben sind.

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