"Brennelemente-Fabrik Lingen schließen!" ...

Demo im "rot-grünen" Niedersachsen

 

1.2.2016. Lingen (LiZ). Atomkraft-GegnerInnen demonstrierten am Sonntag für die Schließung der Brennelemente-Fabrik Lingen. Diese beliefert nicht nur das Risse-AKW Doel in Belgien, sondern auch das älteste französische AKW Fessenheim.

Aus der Sicht der Atomkraft-GegnerInnen widerspricht der Betrieb der Brennelemente-Fabrik Lingen dem angeblichen Atom-Ausstieg, den "Schwarz-Rot-Gelb-Grün" im Sommer 2011 unter dem Eindruck von Hunderttausenden auf Anti-AKW-Demos in ganz Deutschland verkündet hatte. RednerInnen forderten in Lingen den sofortigen Atom-Ausstieg und damit zugleich den sofortigen Stop des Exports von Brennelementen aus Niedersachsen in alle Welt. "Wer den Atomausstieg will, muß auch die Brennelement-Exporte einstellen," sagte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis 'Münsterland gegen Atomanlagen'.

Für politisch wenig interessierte BewohnerInnen anderer Bundesländer mag dies erstaunlich klingen, aber die Forderung der Atomkraft-GegnerInnen trifft bei der als rot-grün firmierenden Landesregierung Niedersachsens unter dem "roten" Ministerpräsident Stephan Weil und dem "grünen" Atom-Minister Stefan Wenzel keineswegs auf offene Ohren. Entgegen ihrer eigenen Programmatik unternehmen diese "Spitzen-Politiker" nichts gegen den Betrieb der beiden niedersächsischen Atomkraftwerke Grohnde und Emsland und der Brennelemente-Fabrik Lingen.

Kaum beachtet wurde überregional von den Mainstream-Medien, daß die "rot-grüne" Landesregierung Niedersachsens bereits zwei Monate nach Amtsantritt ihr Versprechen brach, sich gegen das geplante Endlager Gorleben einzusetzen (Siehe unseren Artikel v. 25.03.13). Bei der Landtagswahl in Niedersachsen im Januar 2013 hatten die Pseudo-Grünen den WählerInnen versprochen, sich nicht auf eine Endlagersuche unter Einbeziehung Gorlebens einzulassen. Und der Spitzen-Kandidat der "S"PD, Stephan Weil, hatte im Wahlkampf eine Endlagersuche, bei der der Salzstock Gorleben im Rennen bleibt, rigoros ausgeschlossen. Nach wie vor befindet sich Gorleben in Niedersachsen und nach wie vor besteht die Aufgabe der 2014 eingesetzten Atommüll-Endlager-Kommission darin, die vorgesehene Festlegung auf den Salzstock Gorleben als deutsches Atommüll-Endlager zu legitimieren (Siehe hierzu auch unseren Artikel v. 21.06.15). Zu allem Überfluß ist Niedersachsens Atom-Minister Stefan Wenzel Mitglied jener Kommission, in der bekennende Atomkraft-BefürworterInnen die Mehrheit stellen (Siehe unseren Artikel v. 19.05.14).

Anfang Januar hatte die Anti-Atom-Bewegung erneut mit Blick auf den wenige Tage zuvor wieder hochgefahrenen Risse-Reaktor des belgischen AKW Doel in einem Offenen Brief an die niedersächsische Landesregierung die sofortige Schließung der Brennelemente-Fabrik Lingen gefordert. Zugleich hieß es darin allerdings skeptisch: "Wir nehmen zur Kenntnis, daß Sie zur Zeit keine konkreten Maßnahmen ergreifen, um unser Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit gegenüber der belgischen Atomaufsicht und dem Betreiber Electrabel durchzusetzen."

Nach der Auftakt-Kundgebung vor dem Lingener Bahnhof zog die von einem breiten Bündnis aus rund 40 Initiativen und Verbänden unterstützte Demo zum Alten Rathaus der Stadt. Heiner Rehmen vom Elternverein Restrisiko Emsland hofft, daß diese Demo ein Auftakt zu weiteren Aktionen gegen die Brennelemente-Fabrik Lingen bildet. Und tatsächlich kam es bereits am heutigen Montag zu einer Blockade der Zufahrt. Rund zwanzig Atomkraft-GegnerInnen setzten sich für mehrere Stunden auf die Fahrbahn vor der Brennelemente-Fabrik und spannten Transparente über die Straße.

Die Brennelemente-Fabrik Lingen ist seit rund 35 Jahren in Betrieb, mittlerweile eine Tochterfirma des französischen Atom-Konzerns Areva und die einzige ihrer Art in Deutschland. Sie beliefert Atomkraftwerke in aller Welt mit den in röhrenförmigen Brennelementen angeordneten Tabletten aus dem AKW-Treibstoff Uran.

 

Quelle: http://www.linkszeitung.de/akwlin160201liz.html

Veranstaltungstyp: