BUND fordert schnelle Bergung des Atommülls aus Asse II

Asse im Spiel Asse II - Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert die "schnellst­mögliche" Bergung des Atommülls aus dem sogenannten Versuchs-Endlager Asse II. Im Jahr 2008 hatte der seit 2005 amtierende Atom-Minister Sigmar Gabriel eingestanden, daß Asse II die "problematischste Nuklearanlage in ganz Europa" sei. Doch erst 2010 versprach er die Bergung des Atommülls. Und zehn weitere Jahre verstrichen, bis die zuständige Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) am 27. März ein 146-seitiges Konzept für die Bergung vorlegte. Der BUND hat nun seinerseits ein von unabhängigen Fachleuten erarbeitetes Positionspapier zum Umgang mit dem Atommüll vorgelegt.

Nach Ansicht des BUND findet ein "ein Wettlauf mit der Zeit statt" - von der "Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt". Tatsächlich jedoch ist ein Behörden-Mikado zu beobachten, das bekanntlich nach der Regel gespielt wird: "Wer sich zuerst bewegt, hat verloren." An diesem Spiel beteiligt sind unter anderen die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) und das niedersächsische "Umwelt"-Ministerium (NMU). Nach Messung von erhöhten Radioaktivitätswerten in einer der unterirdischen Kammern von Asse II hatte das BASE im März 2017 die BGE aufgefordert, "Maßnahmen zur Ursachen­ermittlung" zu ergreifen. Das BGE reichte einen entsprechenden Antrag beim BASE ein, zog ihn aber schon kurz darauf wieder zurück. Ein Jahr darauf stellte die BGE beim NMU den Antrag auf Installation einer Kamera zur Inspizierung der betreffenden Kammer. Das NMU erklärte zu diesem BGE-Antrag, der im September 2018 hereinflatterte, nötig seien "vollständige und zeitnah eingereichte" Unterlagen. Wiederum ein Jahr später, 2019, reichte die BGE eine überarbeitete Antragsunterlage ein. Die BGE verwies auf Gesetzesänderungen, die berücksichtigt werden müßten.

Doch obwohl die Bergung des Atommülls in den vergangenen zehn Jahren in der Realität keinen einzigen Schritt vorangekommen ist, wurden bereits über eine Milliarde Euro für die Offenhaltung der Schächte und die Planung der Atommüll-Bergung ausgegeben - Stand Ende 2018. Der Bundesrechungshof veröffentlichte im August 2019 einen Bericht, in dem er am Wirken des Bundes-"Umwelt"-Ministeriums und des BASE scharfe Kritik übte. Ausdrücklich stellte der Bundesrechungshof die Bergung des Atommülls aus Asse II in keiner Weise infrage. Er formulierte zudem eine Struktur für einen Masterplan zur Bergung. Nach Angaben des BASE soll mit der Bergung jedoch erst im Jahr 2033 begonnen werden. Und laut Schätzung die BGE wird diese insgesamt 3,35 Milliarden Euro kosten. Vorausgesetzt, daß Asse II nicht in den kommenden 13 Jahren kollabiert oder mit Wasser vollläuft. Dann wäre die Katastrophe perfekt.

Auch der BUND beklagt nun, daß die Bergung des Atommülls "unnötig verschleppt" werde. Das am 27. März veröffentlichte 146-seitiges Konzept sei "viel zu vage" und lasse "keine Beschleunigung" erkennen. Der BUND kritisiert diese "gefährliche Nachlässigkeit" scharf.

"Die Asse ist einer der größten Atomskandale. Die damals politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen haben dort gegen jede Vernunft und ohne unabhängige wissenschaftliche Expertise leicht- und mittelradioaktiven Strahlenmüll eingelagert," erklärt BUND-Vorsitzender Olaf Bandt. "Das BUND-Papier belegt klar: Schnelles Handeln unter größtmöglichen Sicherheitsstandards und Strahlenschutzanforderungen ist zwingend erforderlich."

Fünf Forderungen des BUND: Die Bergung aller in Asse II eingelagerten radioaktiven Abfälle und dadurch kontaminierten Materialien müsse "schnellstmöglich" erfolgen. Die Strahlenbelastung für Personal und Bevölkerung sei dabei so gering wie möglich zu halten. Bei der Bergung und den anschließenden Schritten im Umgang mit dem Atommüll seien hohe Sicherheitsstandards und Strahlenschutz­anforderungen einzuhalten. Die Standortauswahl für die Konditionierung der zurückgeholten Abfälle zunächst in der Nähe der Asse müsse unmittelbar beginnen. Und dies müsse mit dem unverzüglichen Beginn der Kriterien-gesteuerten Standortauswahl für die längerfristige Atommüll-Lagerung Asse-nah und Asse-fern einhergehen.

Die wissenschaftliche Aus- und Erarbeitung des BUND-Positionspapiers erfolgte durch die Atom- und Strahlenschutzkommission des BUND. Dieses Gremium setzt sich aus vom Bundesvorstand berufenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen, die den Verband beraten.

BUND-Positionspapier zum Umgang mit radioaktiven Abfällen (PDF)

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