Fehlermeldung

  • Deprecated function: Array and string offset access syntax with curly braces is deprecated in include_once() (line 20 of /var/www/clients/client3335/web8411/web/includes/file.phar.inc).
  • Deprecated function: implode(): Passing glue string after array is deprecated. Swap the parameters in drupal_get_feeds() (Zeile 394 von /var/www/clients/client3335/web8411/web/includes/common.inc).

CASTOR-Transport erreicht Biblis | Schienenblockade sorgt für Verzögerung

Schienen-Blockade, Biblis, 4.11.20 - Foto: Castor-stoppen - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Der am Dienstag, 27.10., zunächst per Schiff gestartete CASTOR-Transport aus der britischen Plutonium-Fabrik Sellafield erreichte nach über einer Woche am heutigen Mittwoch das "Zwischen"-Lager des stillgelegten AKW Biblis. Auf dem letzten Streckenabschnitt, dem Stichgleis zu dem bewachten Gelände, gelang es fünf AktivistInnen am Mittwoch Morgen, mit einer Schienenblockade den Atommüll-Zug für einige Zeit aufzuhalten.

Das Atommüll-Bundesamt (BASE) hatte Mitte Februar die Genehmigung für den CASTOR-Transport hochradioaktiven Atommülls aus der britischen Plutonium-Fabrik Sellafield ins "Zwischen"-Lager des stillgelegten AKW Biblis erteilt. Diese Genehmigung wurde kurz darauf wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. Die sechs je 110 Tonnen schweren CASTOR-Behälter wurden zunächst am Dienstag, 27.10., von Sellafield über den Hafen Barrow-in-Furness mit dem Schiff 'Pacific Grebe' auf dem Seeweg rund um Schottland herum transportiert. (Siehe unseren Artikel v. 2.11.20).

In Nordenham und entlang der mutmaßlichen CASTOR-Strecke gab es Mahnwachen. Am Bremer Hauptbahnhof protestierten Robin-Wood-AktivistInnen mit einer Kletteraktion und hängten ein 15 Meter langes Banner mit der Aufschrift "Kein Plan, nur Risiko! Castor stoppen!" an die Fassade.

Die Polizei stand seit dem Wochenende mit einem Großaufgebot -nach Angaben von Innenminister Horst Seehofer - von 11.000 Einsatzkräften bereit, um den CASTOR-Transport mit Knüppeln und Wasserwerfern durchzusetzen. Auch die gesamte Schienenstrecke von Nordenham nach Biblis wurde von der Polizei bewacht. Erfahrungsgemäß kostet ein solcher Polizeieinsatz 50 bis 60 Millionen Euro.

Die 'Pacific Grebe' machte dann erst am Montag, 2.11., morgens in Nordenham fest. Das Verladen der CASTOR-Behälter zog sich bis Dienstag Mittag hin. Und erst nach 19 Uhr startete der CASTOR-Transport per Bahn in Nordenham. Der CASTOR-Zug bestand aus zwei Loks, sieben Personenwaggons, den Waggons mit den sechs CASTOR-Behältern, sieben weiteren Waggons und zwei Loks am Ende. Er hatte eine Gesamtlänge von rund 600 Metern. Nach einer Fahrt während der gesamten Nacht hindurch kam er in Biblis am Mittwoch, 4.11., morgens gegen 8 Uhr an. Diese Zeitplanung erschwerte öffentlichkeitswirksame Protest-Aktionen an der Strecke. Dennoch gelang fünf AktivistInnen am Mittwoch Morgen eine Schienenblockade auf dem letzten Abschnitt der Transportstrecke zum stillgelegten AKW Biblis, die so den CASTOR-Transport einige Zeit aufhalten konnten. Sie wurden von PolizistInnen weggetragen.

In vielen Mainstream-Medien hieß es, "Deutschland" müsse aufgrund "internationaler Verpflichtungen" seinen im Ausland "wieder­aufbereiteten" Atommüll zurücknehmen. Das sind drei Falschdarstellungen in einem Satz.

Es handelt sich nicht um deutschen Atommüll, sondern um den Atommüll der deutschen AKW-Betreiber RWE, E.on und EnBW. Die weit überwiegende Mehrheit der Deutschen hatte keinen Anteil am Profit, den RWE, E.on und EnBW beim Betrieb der Atomkraftwerke und beim Anhäufen des hochradioaktiven Mülls einstrichen. Zudem bestand keinerlei Notwendigkeit, die abgebrannten Brennelemente in die sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen nach La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) zu transportieren. Dies diente allein dem Zweck, aus dem Atommüll Plutonium zu separieren. Transporte von abgebrannten Brennelementen aus deutschen Atomkraftwerken in eine dieser Plutoniumfabriken sind seit dem 1. Juli 2005 nicht mehr zugelassen. Dennoch konnten die deutschen Atomkraftwerke weiterbetrieben werden.

Entgegen der Falschdarstellung ist auch festzuhalten, daß zwischen 2011 und 2020 kein CASTOR-Transport nach Gorleben - und auch zu keinem anderen Ort in Deutschland - rollte. Die Bundesregierung wurde deswegen keineswegs von La Hague respektive Frankreich oder von Sellafield respektive Großbritannien verklagt. Es gibt keine "nationale" Verpflichtung, Atommüll zurückzunehmen. Solange in Deutschland der Atommüll nur in völlig unsicheren "Zwischen"-Lagern untergebracht werden kann, ist jeder unnötige Transport von Atommüll aus Sellafield oder aus La Hague ein nicht zu verantwortendes zusätzliches Risiko für die Bevölkerung.

Abgebrannte Brennelemente wurden in die Plutonium-Fabriken transportiert, um dort aus diesen Plutonium zu separieren. Das Volumen des ankommenden Atommülls wird durch die verschiedenen angewandten Verfahrens-Schritte wie etwa das Auflösen in Säuren und mehr als das Zwanzigfache vergrößert.

Schon der "Normalbetrieb" der euphemistisch als Wieder­aufarbeitungsanlagen bezeichneten Plutonium-Fabriken in La Hague und Sellafield ist grauenerregend: Nach Angaben des 'World Information Service on Energy' (WISE) in Paris gibt La Hague 40mal mehr Radioaktivität in die Umwelt ab als alle rund 440 weltweit betriebenen Atom-Reaktoren zusammen. So werden von La Hague jährlich 230 Millionen Liter radioaktiver Flüssigmüll in den Ärmelkanal gepumpt und von Sellafield fließen jährlich 3.300 Millionen Liter radioaktiver Flüssigmüll in die Irische See. Nach Berichten der EU wurden mehrere hundert Kilogramm Plutonium in die Irische See abgeleitet. Noch bei Kanada und in antarktischen Gewässern, bis in 200 Meter Tiefe, läßt sich Sellafields Radioaktivität nachweisen. Die Leukämie-Rate bei Kindern ist in der unmittelbaren Umgebung der Anlagen signifikant erhöht.

Wenn mit Hilfe der Multiplikator-Funktion der Mainstream-Medien damit argumentiert wird, es gäbe eine nationale Verantwortung, "deutschen" Atommüll nach Deutschland zurückzunehmen, erweist sich dies vor dem Hintergrund anderer Entscheidungen der deutschen Bundesregierung als Heuchelei. Noch in keinem einzigen Fall wurden von einer deutschen Bundesregierung Anstrengungen unternommen, hochgiftigen, nach Afrika exportierten Elektronik-Schrott nach Deutschland rückzuholen - oder nach China exportierte Kunststoff-Abfälle - oder nach Rußland exportiertes hochgiftiges Uranhexafluorid.

Grundsätzlich bleibt festzuhalten, daß es zu keinem Zeitpunkt in Deutschland eine demokratisch legitimierte Entscheidung zum Betrieb von Atomkraftwerken gab und daß der Atommüll allein aus Profitgründen produziert wurde. Die Nutznießer und Verursacher waren verbrecherische Konzerne wie RWE, E.on, Vattenfall und EnBW.

Weiter ist festzuhalten, daß erst dann ein vernünftiger Grund für den Transport von Atommüll vorliegen kann, wenn für diesen ein Ort für ein sicheres "Endlager" gefunden wird. Sollte ein sicherer Standort für die Unterbringung von Atommüll in Zukunft in Deutschland gefunden werden, wäre es vernünftig, den hochgefährlichen Atommüll zu diesem Ort zu transportieren. Doch bis heute ist ein solcher Ort weltweit im wörtlichen Sinne Utopie. Die vier in Deutschland offiziell vorgesehenen "Zwischen"-Lager mit ihrem völlig unzureichenden Schutz gegen mögliche Terror-Angriffe sind offensichtlich ungeeignet. Mutwillig wird von regierungsamtlicher Seite in Kauf genommen, daß sich in Zukunft die Zahl der für die Bevölkerung aus vielerlei Gründen gefährlichen CASTOR-Transporte verdoppelt – erst zum "Zwischen"-Lager und danach wieder weiter.

Die bis 2011 fast jedes Jahr rollenden CASTOR-Transporte nach Gorleben begründete die Bundesregierung regelmäßig mit dem Verweis auf angebliche völkerrechtlich verpflichtende Verträge, die einen längeren Verbleib des Mülls im Ausland nicht zuließen. Dieses Schein-Argument wurde bereits im Jahr 2001 widerlegt. Denn damals hatte die japanische Regierung nach dem Skandal um massive und systematische Fälschungen in der Plutonium-Fabrik Sellafield die Verträge einseitig gekündigt und den weiteren Rücktransport von Atommüll gestoppt.

Festzuhalten bleibt auch, daß seit nunmehr acht Jahren kein CASTOR-Transport nach Gorleben - und auch zu keinem anderen Ort in Deutschland - rollte. Deutschland wurde deswegen keineswegs von La Hague respektive Frankreich oder von Sellafield respektive Großbritannien verklagt.

Die deutschen "Zwischen"-Lager sind weder ausreichend gegen Flugzeugabsturz noch gegen Beschuß mit panzerbrechenden Waffen geschützt. So wurde etwa das "Zwischen"-Lager am AKW Biblis im Jahr 2004 von der damaligen "rot-grünen" Bundesregierung genehmigt. Das Bundesverwaltungsgericht hat in oberster Instanz wegen der mangelnden Sicherheit dem "Zwischen"-Lager am AKW-Standort Brunsbüttel im Januar 2015 die Genehmigung entzogen (Siehe unseren Artikel v. 16.01.15). Die anderen deutschen "Zwischen"-Lager - insgesamt 16 - sind baugleich oder sogar weniger stabil errichtet. Daß sie noch genehmigt sind, hat keine sachlichen, sondern nur formaljuristische Gründe: Der Klageweg dort war bereits abgeschlossen, bevor Gerichte über die Klage gegen das "Zwischen"-Lager Brunsbüttel verhandelten.

Ein weiteres Argument gegen die Einlagerung von CASTOR-Behältern mit hochradioaktivem Atommüll in eines der genannten "Zwischen"-Lager ist die Tatsache, daß dort keine Möglichkeit besteht, undicht gewordene CASTOR-Behälter zu reparieren. Denn hierzu wäre eine "heiße Zelle" erforderlich. Doch diese Tatsache wird von dem als Genehmigungsbehörde fungierende Atommüll-Bundesamt unter dem pseudo-grünen Wolfram König ignoriert.

Und so bleibt schließlich festzuhalten, daß nach offiziellen Angaben nicht vor 2031 mit dem Bau-Beginn für ein deutsches "Endlager" gerechnet werden kann. Damit werden sehenden Auges die ursprünglich gesetzten Fristen für "Zwischen"-Lager und die CASTOR-Behälter, die offiziell für 40 Jahre ausgelegt sind, deutlich überschritten und der Verbleib der CASTOR-Behälter in diesen "Zwischen"-Lagern wird für etliche Jahrzehnte in Kauf genommen.

Der zweite von insgesamt vier angekündigten CASTOR-Transporten soll von der französischen Plutonium-Fabrik La Hague noch in diesem oder im kommenden Jahr folgen. Bestimmungsort ist in diesem Fall das "Zwischen"-Lager des stillgelegten AKW Philippsburg. Der Dritte, wiederum von Sellafield, ist für den Zeitraum 2023, 2024 angekündigt und hat das bayerische AKW Isar als Ziel. Ebenfalls für diesen Zeitraum ist der vierte CASTOR-Transport mit hochradioaktivem Atommüll angekündigt: Von Sellafield ins "Zwischen"-Lager des AKW Brokdorf.

Die deutsche Anti-Atom-Bewegung hat auch gegen diese drei angekündigten weiteren "sinnlosen Atommüll-Verschiebungen" Aktionen und Blockaden angekündigt.

Zircon - This is a contributing Drupal Theme
Design by WeebPal.