CASTOR-Transport erreicht Nordenham | Falschdarstellungen in Mainstream-Medien

CASTOR-Verladen in Nordenham - Foto: Castor-stoppen - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Das Atommüll-Bundesamt (BASE) hatte Mitte Februar die Genehmigung für den CASTOR-Transport hochradioaktiven Atommülls aus der britischen Plutonium-Fabrik Sellafield ins "Zwischen"-Lager des stillgelegten AKW Biblis erteilt. Diese Genehmigung wurde kurz darauf wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt. Die sechs je 110 Tonnen schweren CASTOR-Behälter wurden zunächst am Dienstag, 27.10., von Sellafield über den Hafen Barrow-in-Furness mit dem Schiff 'Pacific Grebe' auf dem Seeweg rund um Schottland herum transportiert. Das im Schiffsverkehr vorgeschriebene AIS-Signal wurde abgeschaltet, um so die Ortung unmöglich zu machen. Der Eigner der 'Pacific Grebe', die Pacific Nuclear Transport Limited (PNTL) mit Sitz in England, verstieß damit gegen das internationale Seerecht und gefährdete die Besatzungen anderer Schiffe, die ebenfalls nachts und bei Nebel auf dieser Schifffahrts-Route unterwegs sind. Er wurde angezeigt.

Aufgrund der durchschnittlichen Geschwindigkeit hätte die 'Pacific Grebe' am Samstag, 31.10., oder Sonntag, 1.11., im Hafen Nordenham ankommen müssen. Mittlerweile hatte ein riesiges Polizeiaufgebot vor Ort die Information bestätigt, daß Nordenham als Ziel des Schiffs vorgesehen war. Es kursierten Gerüchte, die 'Pacific Grebe' habe wegen Maschinenschadens vor Anker gehen müssen. Viele Menschen, die sich darauf eingestellt hatten, am Wochenende an Demonstrationen oder Blockaden teilnehmen zu können, wurden durch die zeitliche Verzögerung "ausgebootet".

In Nordenham und entlang der mutmaßlichen CASTOR-Strecke gab es Mahnwachen. Am Bremer Hauptbahnhof protestierten Robin-Wood-AktivistInnen mit einer Kletteraktion und hängten ein 15 Meter langes Banner mit der Aufschrift "Kein Plan, nur Risiko! Castor stoppen!" an die Fassade.

In vielen Mainstream-Medien hieß es, "Deutschland" müsse aufgrund "internationaler Verpflichtungen" seinen im Ausland "wieder­aufbereiteten" Atommüll zurücknehmen. Das sind drei Falschdarstellungen in einem Satz. Es handelt sich nicht um deutschen Atommüll, sondern um den Atommüll der deutschen AKW-Betreiber RWE, E.on und EnBW. Die weit überwiegende Mehrheit der Deutschen hatte keinen Anteil am Profit, den RWE, E.on und EnBW beim Betrieb der Atomkraftwerke und beim Anhäufen des hochradioaktiven Mülls einstrichen. Zudem bestand keinerlei Notwendigkeit die abgebrannten Brennelemente in die sogenannten Wiederaufarbeitungsanlagen nach La Hague (Frankreich) und Sellafield (Großbritannien) zu transportieren. Dies diente allein dem Zweck, aus dem Atommüll Plutonium zu separieren. Transporte von abgebrannten Brennelementen aus deutschen Atomkraftwerken in eine dieser Plutoniumfabriken sind seit dem 1. Juli 2005 nicht mehr zugelassen. Dennoch konnten die deutschen Atomkraftwerke weiterbetrieben werden.

Entgegen der Falschdarstellung ist auch festzuhalten, daß zwischen 2011 und 2020 kein CASTOR-Transport nach Gorleben - und auch zu keinem anderen Ort in Deutschland - rollte. Die Bundesregierung wurde deswegen keineswegs von La Hague respektive Frankreich oder von Sellafield respektive Großbritannien verklagt. Es gibt keine "nationale" Verpflichtung, Atommüll zurückzunehmen. Solange in Deutschland der Atommüll nur in völlig unsicheren "Zwischen"-Lagern untergebracht werden kann, ist jeder unnötige Transport von Atommüll aus Sellafield oder aus La Hague ein nicht zu verantwortendes zusätzliches Risiko für die Bevölkerung.

Die Polizei stand seit dem Wochenende mit einem Großaufgebot - nach Angaben von Innenminister Horst Seehofer - von 11.000 Einsatzkräften bereit, um den CASTOR-Transport mit Knüppeln und Wasserwerfern durchzusetzen. Auch die gesamte Schienenstrecke von Nordenham nach Biblis wurde von der Polizei bewacht. Erfahrungsgemäß kostet ein solcher Polizeieinsatz 50 bis 60 Millionen Euro.

Die 'Pacific Grebe' machte dann erst am Montag, 2.11., morgens in Nordenham fest. Allem Anschein nach wird sich das Verladen der sechs CASTOR-Behälter bis in den Dienstag hinziehen.

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