"Heruntergekommen" - Die Notstrom-Aggregate ...

... in 57 Prozent der französischen Atomkraftwerke

Paris (LiZ, 18.03.2016). Geheimpapiere des französischen Strom-Konzerns und AKW-Betreibers EdF, die ein Whistleblower zugänglich gemacht hat, offenbaren den miserabler technischer Standard von über 57 Prozent der französischen Atomkraftwerke. Kein einziges der Notstrom-Aggregate war ohne Mängel.

Grün stünde für "keine Mängel" - doch in diese Rubrik wurde kein einziges der Notstrom-Aggregate der 58 französischen Atom-Reaktoren von eigenen Fachleuten des Strom-Konzerns und AKW-Betreibers EdF eingeordnet:

Zustand der Notstrom-Aggregate der französischen Atomkraftwerke, 2014 - Grafik: NR Creative-Commons-Lizenz Nicht-Kommerziell 3.0

Vierteljährlich untersuchten PrüferInnen der EdF die Notstrom-Aggregate der 19 französischen Atomkraftwerke in den drei Jahren von 2012 bis 2014. Der Unmut muß zumindest bei manchen der PrüferInnen übergekocht sein, denn offenbar ist das Personal der französischen Meiler derart abgebrüht, daß der konstatierte Zustand von Mal zu Mal schlimmer statt besser wurde. Und nur so ist erklärlich, daß ein Whistleblower den Geheimbericht der EdF JournalistInnen zugänglich gemacht hat. Im Jahr 2014 wiesen demnach 43,9 Prozent der Notstrom-Aggregate "starke Mängel" und weitere 13,2 Prozent sogar "sehr starke Mängel" auf, so daß insgesamt über 57 Prozent als "heruntergekommen" (französisch: "dégradé) bezeichnet werden müssen. Laut Geheimbericht hat sich im Untersuchungs-Zeitraum der Zustand der Notstrom-Aggregate in Gesamtbilanz nicht verbessert, sondern sogar verschlechtert. Und so wurde denn auch "menschliches Fehlverhalten" darin konstatiert - also: Versäumnisse bei Wartung und Instandhaltung.

Die internen PrüferInnen fanden bei ihren unangemeldeten Inspektionen der Notstrom-Aggregate von Öl- und Treibstoff-Lecks über defekte Kühlung-Systeme bis hin zu schadhaften Relais Dutzende Funktions-Mängel. In manchen Fällen ließen sie sich gar nicht erst starten. Unter den Meilern mit den ärgsten Mängeln befinden sich das älteste französische AKW Fessenheim mit seinen zwei Reaktoren, sowie die AKW Cattenom (4 Reaktoren), Chooz (2), Flamanville (2), Gravelines (6) und Paluel (4).

Die Notstrom-Versorgung ist die letzte Sicherheits-Barriere vor der Kernschmelze, dem Super-GAU. Diese war am 11. März 2011 in drei Reaktoren des AKW Fukushima Daiichi ausgefallen. Laut offiziellen Angaben verfügt jeder Atom-Reaktor in Frankreich über zwei getrennte Notkühl-Systeme und zusätzlich über ein sogenanntes Reserve-System. Da keiner der französischen Atom-Reaktoren - eben so wenig wie die acht in Deutschland in Betrieb befindlichen Atom-Reaktoren - gegen den Absturz eines Passagier-Flugzeugs nach dem Vorbild des 11. September 2001 ausreichend gesichert ist (Siehe hierzu unseren Artikel v. 22.11.15), können im Falle eines Terror-Anschlags auf einen Schlag sämtliche Not-Systeme versagen.


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