INES-1-Unfall im AKW Fessenheim erst mit über einem Monat Verspätung publik

Karte von Super-GAU Fessenheim, klein

Am 22. Februar war der Reinigungs-Roboter eines Sub-Unternehmens in den offenen Reaktordruckbehälter von Block 1 des AKW Fessenheim gefallen. Erst mit über einem Monat Verspätung wurde dieser INES-1-Unfall heute publik. Die seit 2011 immer wieder angekündigte und immer wieder verschobene Stilllegung des Pannen-Meilers ist nach wie vor nicht absehbar.

Block 1 des AKW Fessenheim war vom 19. Januar bis zum 12. März abgeschaltet, um eine planmäßige Revision und den Tausch von Brennelementen vorzunehmen. Hierzu muß der Reaktordruckbehälter geöffnet werden. Ob dies - wie von einer großen Mehrheit der Menschen im Dreyeckland erhofft - der letzte Brennelementewechsel vor der Stilllegung sein wird, steht allerdings nach den Erfahrungen mit nicht eingehaltenen Versprechungen französischer Präsidenten nach wie vor in den Sternen.

Während der Arbeiten in Block 1 kam es - wie erst heute publik wurde - zu mindestens acht "Störfällen", von denen zwei auf der internationalen "Störfall"-Skala INES offiziell auf Stufe 1 eingeordnet werden mußten. Die französische Atomaufsicht ASN, die ansonsten noch alle Wünsche des Strom- und Atom-Konzerns EdF abgenickt hat, entsandte zwischen dem 19. Januar und dem 12. März immerhin dreimal unangekündigt InspekteurInnen nach Fessenheim.

Doch auch diese Besuche konnten die schon legendäre Schlamperei im AKW Fessenheim offenbar nicht eindämmen. Wie nun bekannt wurde, fiel am 22. Februar ein Reinigungs-Roboter in den Reaktordruckbehälter. Falls die Angaben zutreffen, blieb er rund einen Meter über den Brennelementen im Steuerungsgestänge hängen. Der Wechsel der Brennelemente muß am 22. Februar bereits erfolgt sein, denn der Kühlkreislauf war offenbar bereits eingeschaltet. Da der Roboter laut den offiziellen Angaben von den Pumpen des Kühlkreislaufs angesaugt wurde und festsaß, mußte der Kühlkreislauf laut Angaben der ASN für 13 Minuten abgeschaltet werden. Vom Zeitpunkt des Hineinfallens, der mit 22:15 Uhr angegebene wird, bis zur Beendigung der Bergung um 4:25 Uhr des 23. Februar vergingen demnach lauf offiziellen Angaben über sechs Stunden.

Trotz der skandalösen Vorgänge im AKW Fessenheim genehmigte die ASN das Wiederhochfahren des Reaktors am 6. März. Am darauffolgenden Tag erreichte Reaktor 1 das Alter von 42 Betriebsjahren. Ausgelegt wurden Reaktoren dieses Typs von den Konstrukteuren in den 1970er-Jahren für eine Betriebsdauer von 20 bis 25 Jahren. Bekannt ist seit langem, daß die Versprödung der Reaktordruckbehälter infolge der Neutronenbestrahlung und die vielfach nachgewiesene Rißbildung mit zunehmendem Alter zu einem immer höheren Risiko führt.

Dennoch ist nach wie vor nicht absehbar, wann das AKW Fessenheim stillgelegt wird. Schon im September 2012 wertete die Anti-Atom-Gruppe Freiburg in einer Pressemitteilung die Ankündigung des damaligen französischen Präsidenten François Hollande das AKW Fessenheim Ende 2016 stillzulegen, als unglaubwürdig - zu recht, wie die vergangenen Jahre gezeigt haben. Schon damals war es äußerst fragwürdig, wenn die Mainstream-Medien von einer "endgültigen Abschaltung" des AKW Fessenheim berichteten (Siehe unseren Artikel v. 21.09.12).

Mittlerweile hat der derzeitige französische Präsident Emmanuel Macron am Dienstag, 27. November 2018 angekündigt, das AKW Fessenheim werde im Jahr 2020 stillgelegt. Ein für die Stilllegung zwingend notwendiger formeller Antrag von Seiten der EdF liegt jedoch bis heute nicht vor. Und nicht nur das Beispiel der mehrfach verschobenen Ankündigungen Hollandes, sondern auch entsprechende Erfahrungen in anderen europäischen Staaten wie Schweden, Spanien, Belgien und nicht zuletzt Deutschland zeigen, daß nicht etwa PolitikerInnen darüber entscheiden, wann Atomkraftwerke stillgelegt werden, sondern daß mächtige Konzerne das letzte Wort haben.

Hieran ändert auch nichts, daß der französische "Umwelt"- und Atom-Minister François de Rugy am 1. Februar ankündigte, Block 1 des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim solle im März 2020 dauerhaft vom Netz gehen und Block 2 solle im August 2020 folgen. In den vergangenen Jahren wurden präsidiale Ankündigung, das AKW Fessenheim stillzulegen, bereits acht Mal verschoben. Die Anti-Atom-Gruppe Freiburg bleibt daher bei ihrer skeptischen Einschätzung von 2012 und erteilt allen Spekulationen nach wie vor eine klare Absage. Und Axel Mayer, regionaler Geschäftsführer des Umweltverbandes BUND kommentierte: "Es war jetzt die neunte Ankündigung eines Abschalttermins - da sind wir einfach gebrannte Kinder."

Der baden-württembergische pseudo-grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der seit 2011 selbst den Betrieb von zwei Atomkraftwerken gewährleistet, hatte im Oktober 2016 nach einer Visite in Paris getönt: "Jedenfalls ist klar, dieses Atomkraftwerk wird stillgelegt!" Allerdings wurde ihm vom damaligen französischen Präsidenten François Hollande in Paris kein Gesprächs-Termin gewährt und die Aussage, das AKW Fessenheim werde stillgelegt - auf die manch Obrigkeitsgläubige ihre Hoffnungen setzen - ist so allgemein, daß sie auch zutreffen würde, wenn entsprechend den Plänen des AKW-Betreibers EdF die Stilllegung erst im Jahr 2037 erfolgt.

In den Jahren 2016 und 2017 wechselten sich oft mehrmals im Monat die "Nachrichten" ab, in denen es das eine Mal hieß, die Einhaltung des Versprechens sei nun so gut wie sicher - und das andere Mal das Gegenteil. Bis heute liegen jedoch keine Informationen vor, die eine Hoffnung begründen könnten, das AKW Fessenheim werde "in Bälde" stillgelegt. Auch die Hoffnung, das AKW Fessenheim werde stillgelegt, sobald das EPR-Projekt am Standort des AKW Flamanville fertiggestellt ist und ein neuer Reaktor dort ans Netz geht, ist nicht nur zynisch, sondern zudem reichlich vage. Es ist nach wie vor sehr fraglich, ob der dortige EPR-Atomreaktor, an dem bei explodierenden Kosten seit August 2006 gebaut wird, jemals funktioniert.

Von drei Atom-Reaktoren, die in den USA im Jahr 2014 Dank 54 Milliarden US-Dollar an Subvention durch Präsident Barack Obama offiziell als "in Bau" verzeichnet wurden, ist bis heute nur einer ans Netz gegangen. Der 2013 begonnene Bau eines zweiten Reaktors des AKW Virgil C. Summer wurde im August 2017 aus Kostengründen aufgegeben. In der Folge ging Westinghouse pleite und der japanische Konzern Toshiba, an den Westinghouse weitergereicht wurde, geriet in Schieflage. Mittlerweile haben sich alle drei japanischen Konzerne, die im internationalen AKW-Geschäft mitgemischt hatten, Toshiba, Mitsubishi und Hitachi weltweit aus AKW-Projekten zurückgezogen.

Der bei EdF für die Atomkraftwerke zuständige Manager Philippe Sasseigne hat im Januar 2018 erneut öffentlich bekundet, die französischen Atomkraftwerke am liebsten 60 Jahre lang betreiben zu wollen. Dies würde im Falle des AKW Fessenheim einen Weiterbetrieb bis zum Jahr 2037 bedeuten. Schon im Jahr 2010 hatte der damalige EdF-Chef Henri Proglio davon gesprochen, daß eine Betriebsdauer der französischen Atomkraftwerke von 60 Jahren angestrebt werde. Auch führende VertreterInnen der Kernkraftkirche in der Schweiz und in den USA sprechen seit langem von 60 Jahren AKW-Betrieb. Beim Zustand der französischen Atomkraftwerke ist es jedoch sehr wahrscheinlich, daß es noch vor dem Jahr 2037 zum nächsten Super-GAU kommt.

Karte von Super-GAU Fessenheim

Quelle: www.linkszeitung.de/akwfrk190325liz.html

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