Irreführung der Öffentlichkeit - das "Bergungs-Konzept" des Asse-II-Betreibers

Atommüll illegal abgekippt

Einerseits wird seit 2010 nicht mehr ernsthaft bestritten, daß beim "Versuchs-Endlager" Asse II ein hohes Risiko eines katastrophalen Wasser-Einbruchs besteht und der radioaktive Müll dringend geborgen werden muß. Im Januar 2010 verkündete der damals amtierenden "Umwelt"-Minister Sigmar Gabriel, die Rückholung des Atommülls aus den Bergwerksstollen. Andererseits jedoch wird die Bergung mit allen Mitteln sabotiert und hinausgezögert. Nach neun Jahren präsentierte nun die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) erstmals der Öffentlichkeit ein "Bergungs-Konzept". Demnach könne mit den Arbeiten frühestens 2033 begonnen werden...

Nach den Angaben der Betriebsbücher, die sich mittlerweile als äußerst unzuverlässig erwiesen haben, wurden in Asse II bis 1979 insgesamt rund 126.000 Fässer Atommüll eingelagert. Das radioaktive Inventar stammte überwiegend aus kommerziell betriebenen Atomkraftwerken, des weiteren aus den Atomforschungszentren, aus Atommüllsammelstellen und auch von der Bundeswehr. Es wurden skrupellos auch undichte und korrodierte Fässer eingelagert, flüssige Abfälle, Rückstände von Pestiziden, Tierkadaver, giftige Schwermetalle und sogar Plutonium.

Im Juni wurde fahrlässig in den Mainstream-Medien eine Katastrophen-Meldung verbreitet, wonach Asse II akut vom Absaufen bedroht sei (Siehe unseren Artikel v. 3.06.19).

Erstmals nach nunmehr über 9 Jahren Wartens auf die Katastrophe hat jetzt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) als zuständige Behörde ein sogenanntes Konzept zur Räumung der 13 Kammern in den Tiefen von Asse II der Öffentlichkeit vorgestellt. Zentrale Botschaft ist darin die scheinbar neue Erkenntnis, daß zuerst eine entsprechende Technik entwickelt werden müsse, um die 126.000 Fässer Atommüll bergen zu können. Und diese Technik stehe voraussichtlich erst im Jahr 2033 zur Verfügung.

Nur mit Hilfe ferngesteuerter Maschinen könnten die Atommüll-Fässer heraufgeholt werden, sagte BGE-Geschäftsführer Thomas Lautsch. Ein Teil der Aufgabe sei hierbei, den Atommüll in über 500 Metern Tiefe in spezielle "Schutzbehälter" zu verpacken, bevor er an die Oberfläche geholt werden könne. Bis alle Genehmigungen vorlägen, dauere es ohnehin noch etwa neun Jahre - also bis 2028 - so die frohe Kunde. Außerdem müsse ein zweiter Förderschacht gebaut und ein Standort für ein "Zwischenlager" für den Atommüll gefunden werden, so Lautsch. Offenbar handelt es sich also bei dem nunmehr vorgestellten "Bergungs-Konzept" lediglich um PR zur Irreführung der Öffentlichkeit, um diese so darauf einzustimmen, daß sich auch in den kommenden Jahren nichts bewegt.

Viele AnwohnerInnen und Atomkraft-GegnerInnen sind über die von der BGE genannten Zeiträume entsetzt. Die Gefahr wächst von Jahr zu Jahr, daß die unterirdischen Stollen unter dem Gebirgsdruck kollabieren und daß der Wasserzutritt schlagartig über das seit zehn Jahren registrierte Maß von 12 bis 13 Kubikmeter Wasser pro Tag ansteigt. Die beiden benachbarten Schächte Asse I und Asse III sind bereits abgesoffen und von dem weniger als zehn Kilometer entfernten Salzbergwerk Hedwigsburg blieb nach einem Wassereinbruch nur noch ein wassergefüllter Krater übrig.

Am 12. Juli hatte das BGE gemeldet, daß bei wissenschaftlichen Untersuchungen in Asse II festgestellt wurde, daß zur Stabilisierung der unterirdischen Stollen dringend und zügig Hohlräume mit Salzbeton verfüllt werden müssen. Lokale Stützmaßnahmen zum temporären Erhalt der Bergbausicherheit seien ebenfalls erforderlich. Diese Maßnahmen könnten die Katastrophe zwar nicht auf Dauer verhindern, aber "ein sicheres Arbeiten in den nächsten Jahren ermöglichen" - so die WissenschaftlerInnen.

Bei offiziell veranschlagten Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro für die Bergung des Atommülls darf es nicht verwundern, wenn immer häufiger Kräfte auf den Plan treten, die für weitere Verzögerungen sorgen und so das Absaufen von Asse II, also die für die heutigen Generationen billige Variante, von Jahr zu Jahr wahrscheinlicher werden lassen. Es ist auch nicht auszuschließen, daß eines Tages verkündet wird, die Bergung sei aufgrund der mittlerweile eingetretenen Umstände "nicht machbar".

Quelle: Linkszeitung

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