Nachruf | Werner Mildebrath, Solar-Pionier und Anti-AKW-Aktivist ist tot

Werner Mildebrath mit Lautsprecher-Kombi - Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Seit 1973 kämpfte Werner Mildebrath für die Energie-Wende - nun ist er mit 92 Jahren am 18. September gestorben. Der Elektroinstallateur mit eigener kleiner Firma in Sasbach am Kaiserstuhl gehörte zu den ersten, die in Deutschland thermische Solar­anlagen bauten, und zu den erfolgreichen Kämpfern gegen das AKW-Projekt im benachbarten Dorf Wyhl. Bis vor wenigen Jahren, als er sich bei einem Unfall ein Bein brach, war er auf nahezu jeder Anti-AKW-Demo im Dreyeckland mit seiner mobilen Lautsprecher-Anlage präsent.

Schon vor dem Kampf gegen das baden-württembergische AKW-Projekt Wyhl konnte er zusammen mit elsässischen Umwelt-AktivistInnen ein in Marckolsheim, auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins, geplantes Bleichemiewerk verhindern. Mildebrath stand für die politische Erfahrung, daß Politik nicht in Amtsstuben, sondern auf Straßen und in Wäldern gemacht wird - oder andernfalls in den Vorstandsetagen der "Wirtschaft".

Dabei war Werner Mildebrath zugleich "grundsolide" und betrieb zusammen mit seiner Frau Erika, ein kleines Elektrogeschäft in Sasbach, einem Nachbardorf von Marckolsheim und Wyhl. Daß er trotz seines politischen Kampfes gegen das Anfang der 1970er-Jahre allmächtig erscheinende Badenwerk (das später im Energie-Konzern und AKW-Betreiber EnBW aufging) ökonomisch überleben konnte, verdankte er der örtlichen Solidarität.

Auf nahezu jeder Anti-AKW-Demo im Dreyeckland und etliche Male bei der "Tour de Fessenheim" war Werner Mildebrath mit seinem "Kombi" präsent, auf dessen Dach er die gratis von der Sonne gespendete Energie mit zwei Solar-Paneelen einfing und in dessen Laderaum er Mischpult, Mikrofone und Lautsprecher herantransportierte. Bei der Platzbesetzung im Wyhler Wald sorgte seine Lautsprecher-Anlage dafür, daß die Demo-RednerInnen besser zu verstehen waren als die Polizei. Er war immer zuverlässig und engagiert - ohne selbst viele Worte zu machen.

   
  Werner Mildebrath - Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0
 

Im Jahr 1975 baute der Elektriker, Tüftler und Handwerker für sein eigenes Haus eine solide thermische Solaranlage, die heute nicht nur immer noch existiert, sondern auch noch funktioniert. Und im Sommer 1976 veranstalteten AktivistInnen der Badisch-Elsässischen Bürgerinitiativen und des damals neu gegründeten Bund für Umwelt und Naturschutz (Aktion Umweltschutz) die weltweit erste große Ausstellung zu alternativen Energien in Sasbach am Kaiserstuhl. Der Widerstand gegen das im Nachbardorf Wyhl geplante AKW, das berühmte "Nai hämmer gsait" war den AktivistInnen nicht genug - sie wollten Alternativen zur Atomenergie aufzuzeigen und neben das Nein zur Atomenergie das Ja zu den erneuerbaren Energien stellen. Die Solaranlagen von Werner Mildebrath waren damals ein wichtiger Teil der "Sasbacher Sonnentage". Über 12.000 BesucherInnen kamen 1976 zu dieser Messe.

Zu besichtigen gab es bei den ersten "Sasbacher Sonnentagen" im Mai 1976 beispielsweise Holzbottiche der Winzergenossenschaft, in denen Wasser solar erwärmt wurde. An vielen Ständen waren Solarpaneele und Modelle von Windrädern zu Stromerzeugung zu sehen. Infos und Vorträge drehten sich um Themen wie Energieeinsparung, Endlichkeit der Rohstoffe, Klimaschutz und Wärmedämmung. Das "ganze Dorf" war mit allen Vereinen an der Ausgestaltung der "Sasbacher Sonnentage" aktiv beteiligt. Die Winzergenossenschaft stellte das Gelände für die Ausstellung und gleich daneben war der Festplatz, der Dank des Musikvereins genutzt werden konnte. Unter dessen hohen schattenspendenden Bäumen ähnelten die "Sasbacher Sonnentage" fast einem Volksfest, denn es gab auch Meerschweinchenrennen, Flohmarkt, Wein- und Bierausschank. Aus dieser Sasbacher Messe für erneuerbare Energien ging viele Jahre später die Freiburger 'Intersolar' hervor.

Der von 1974 bis 1982 amtierende Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) sagte einmal spöttisch über jene, die ihn mit Ideen für eine Energie-Wende nervten: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen!" Gut, daß es Menschen gab, die sich von solchen "Realpolitikern" nicht irreführen ließen.

 

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