Protest gegen AKW-Forschung in Baden-Württemberg

AktivistInnen von Anti-Atom Karlsruhe haben heute (6. April) am Karlsruher Joint Research Center (JRC) gegen die EU-finanzierte AKW-Forschung protestiert. Das Institut auf dem Gelände des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), arbeitet an der Entwicklung neuartiger Atom-Reaktoren.

Mit einer Mahnwache und Informationsmaterial waren die AtomkraftgegnerInnen am "Tag der offenen Tür" des Karlsruher Joint Research Centers (JRC) präsent. Neben einer ganzen Reihe von Einrichtungen des KIT - der Nachfolge-Institution des Kernforschungszentrums Karlsruhe - arbeitet das JRC ganz offiziell und mit Hilfe von über die EU umgeleiteten Steuergeldern an neuen Reaktor-Linien wie etwa dem Flüssigsalz-Reaktor MSR. MSR steht für Molten Salt Reactor. Gemeinsam sind diese Institute am EU-Forschungsprojekt SAMOFAR beteiligt. Das JRC ist unter dem Namen 'Institut für Transurane' in der Öffentlichkeit noch am ehesten bekannt.

Zu denken geben sollte, daß in Deutschland an nuklearen Technologien geforscht wird, obwohl doch angeblich - und zum zweiten Mal in zwanzig Jahren - ein Atom-Ausstieg von der Parteienpolitik versprochen wurde. Daß auf ein solches Versprechen kein Verlaß ist, zeigt sich nach entsprechenden Erfahrungen in anderen europäischen Staaten - in Schweden 1998, in Spanien 2009, in Deutschland 2010 und in Belgien 2015 - auch an den sich in den vergangenen Monaten häufenden Wortmeldungen in der öffentlichen Debatte: Nicht zuletzt die Klima-Krise soll dabei helfen, der Atomenergie ein Überleben zu ermöglichen.

Die baden-württembergische Landesregierung unter dem angeblich grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann meidet das Thema und versucht offenbar, es unter der Wahrnehmungsschwelle der Öffentlichkeit zu halten. Andere politische Kräfte hingegen argumentieren teils defensiv, indem sie darauf hinweisen, daß für den sicheren Stilllegungs-Prozeß über Jahrzehnte hin qualifiziertes Personal benötigt werde - Stichwort: Deutschland dürfe in den Bereichen Atom-Forschung und Technologie nicht im internationalen Vergleich zurückfallen. Tatsächlich versteckt sich aber hinter dem Label nukleare Sicherheitsforschung nicht selten der Versuch, die Atomtechnologie weiter zu entwickeln.

So dienen die Arbeiten am KIT genauer betrachtet unter anderem der Reaktor- und Brennstoffentwicklung - und der Begriff "Brennstoff" steht nach wie vor synonym für radioaktives angereichertes Uran. Im JRC werden die physikalischen und chemischen Eigenschaften verschiedener Mischungen von Flüssigsalzen mit Uran und auch beispielsweise Thorium untersucht. Das Institut, das sich zwar auf dem Gelände des KIT Camus Nord befindet, aber formal keine KIT-Einrichtung ist, führt zudem Sicherheitsanalysen chemischer Prozesse durch.

Sowohl das KIT als auch das JRC - sprich: Institut für Transurane - beteiligen sich am EU-Forschungsprojekt MYRTE (MYRRHA Research and Transmutation Endeavour), in dem die Transmutation von hochradioaktiven Abfällen in Hinblick auf den in Belgien geplanten Forschungsreaktor MYRRHA erforscht werden soll. Beide Forschungsprojekte erhalten Gelder aus EURATOM-Budgets. Nach wie vor ist Deutschland Mitglied in dem 1957 zur Förderung der Atomkraft in Europa gegründeten Bündnis und finanziert so verdeckt weiterhin die europäische Kernkraft-Kirche.

Anti-Atom Karlsruhe stellt sich gegen diese verdeckt finanzierte Forschung in Dienste der Atomkraft-Branche in Deutschland und der EU. Die Mahnwache wies zudem auf den erkennbaren Widerspruch zum angeblich beschlossenen Atom-Ausstieg hin. Harry Block von Anti-Atom Karlsruhe warnte vor der in Karlsruhe heraufbeschworenen massiven Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen. Deshalb müsse sowohl jegliche Forschung und Entwicklung als auch der Betrieb von Einrichtungen, die der Erzeugung von waffenfähigem Material dienen, europaweit und weltweit eingestellt, geächtet und nicht weiterentwickelt und gefördert werden. Durch Flüssigsalz-Thorium-Reaktoren steige die Gefahr der Weiterverbreitung von Atomwaffen in extremer Weise. Kritik übten die Atomkraft-GegnerInnen auch daran, daß diese Forschung im Dienste der Atomkraft-Branche nur mit hochradioaktiven Stoffen wie etwa Plutonium möglich ist.

Quelle: www.linkszeitung.de/akwkit190406liz.html

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