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Skandal in Frankreich: Gesetzesvorhaben soll radioaktive Kochtöpfe erlauben

radioaktiver Kochtopf - Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Bislang war die rechtliche Situation in Frankreich in dieser Hinsicht besser als in Deutschland: Radioaktives Metall aus dem Abriß von Atomkraftwerken durfte nicht ins Metall-Recycling eingeschleust wer­den. Es gab kein "Freimessen" von Atom-Müll wie in Deutschland. Doch nun plant die französische Regierung, die Herstellung von Alltags­gegenständen aus dem Recycling von "sehr schwach radioaktiven Metallen" zuzulassen. Das französische Netzwerk Atom-Ausstieg (Réseau Sortir du Nucléaire) alarmiert die Öffentlichkeit über den Skandal.

Dem vom sogenannten Umwelt-Ministerium der pseudogrünen französischen Ministerin Barbara Pompili initiierte Gesetzes-Vorhaben liegt die Idee zugrunde, radioaktiv belastete Metalle könnten von Verunreinigungen befreit werden, um das Metall zu recyceln und daraus Konsumgüter des alltäglichen Bedarfs herzustellen. Französische Anti-AKW-AktivistInnen alarmieren die Öffentlichkeit und fragen, ob in Zukunft analog zum hinlänglich bekannten Warnaufdruck "kann Spuren von Erdnüssen enthalten" etwa auf Kinderwagen, Töpfen und Pfannen, Türgriffen oder dekorativen Metallgegenständen ein kleiner Warnhinweis zu finden ist mit der Aufschrift: "Kann Spuren von radioaktivem Stahl enthalten".

Das französische Netzwerk Atom-Ausstieg (Réseau Sortir du Nucléaire) hält diese Idee keineswegs für surreal, da auf der Internet-Seite des "Umwelt"-Ministeriums ein Projekt entdeckt wurde, das die Organisation als "wahnsinnig" bezeichnet. Es stellt sich nun auch die Frage, ob in dem vom französischen Strom-Konzern und AKW-Betreiber EdF geplanten "Techno-Centre", das am Standort des 2020 stillgelegten AKW Fessenheim entstehen soll, diese Pläne realisiert werden. Nicht nur das beim Abriß des AKW Fessenheim anfallende radioaktiv kontaminierte Metall, sondern Metall-Schrott von allen französischen Atomkraftwerken soll dort gesammelt, eingeschmolzen, so weit wie möglich dekontaminiert werden, um die weniger radioaktiven Teile dann zu Konsumgüter des alltäglichen Bedarfs zu recyceln.

Entdeckt wurden die Entwürfe für neue Rechtsvorschriften kurz nach Weihnachten. Darin heißt es, daß die Wiederverwendung der schwach radioaktiven Metalle "ausnahmsweise" für die Herstellung von Geräten oder Gegenständen des täglichen Lebens erlaubt wird. "Bisher", so betonen die AtomkraftgegnerInnen, "hat Frankreich die Herstellung solcher Waren unter Verwendung von Substanzen mit einer nuklearen Herkunft streng verboten, wenn diese kontaminiert sind oder kontaminiert sein könnten."

Der Stab von Barbara Pompili (französische "Umwelt"-Ministerin) wies auf Anfragen darauf hin, daß mehrere Länder in der Europäischen Union (Deutschland, Schweden) und außerhalb der EU (die USA) "auf die Freigabe von sehr schwach radioaktivem Abfall zurückgreifen". Erst im vergangenen Herbst wurde bekannt, daß radioaktiv belastetes Metall aus dem Abriß des baden-württembergischen AKW Obrigheim schon vor Jahren heimlich zum Einschmelzen ins Ausland transportiert wurde (Siehe unsere Artikel vom 26.09.2020 und vom 7.01.21). Barbara Pompili beteuert, daß von einem Techno-Centre "kein Gesundheitsrisiko" ausgehe, da die Verwendung der freigesetzten Materialien unter keinen Umständen zu einer Exposition von mehr als 10 μSv/Jahr führen könne. Das sei 300-mal weniger als bei der bestehenden Exposition durch natürliche Radioaktivität. Sie blendet dabei jedoch aus, daß es strahlenbiologisch einen großen Unterschied macht, ob Radioaktivität als Strahlung von außen auf den menschlichen Körper trifft, oder ob strahlende Partikel, die mit Nahrungsmitteln inkorporiert werden, in den Knochen und in inneren Organen über viele Jahre hin ihre zerstörerische Wirkung entfalten können.

"Es ist nicht auszuschließen, daß Teile der wiederaufgearbeiteten Metalle, die für die Herstellung unserer Alltagsgegenstände verwendet werden, erhebliche Einschlüsse an radioaktiven Elementen enthalten", betont Charlotte Mijeon von Réseau Sortir du Nucléaire. "Stellen Sie sich vor, daß sich eine winzige Menge Plutonium in Ihrem Kochtopf befindet und daß Sie jeden Tag Hundertstel Mikrogramm davon verschlucken, indem Sie ihn schrubben. Wer kann Ihnen garantieren, daß Sie auf Dauer kein Risiko eingehen? ", fragt der Physiker Jean-Marie Brom, Sprecher der NGO und Forschungsdirektor am CNRS. "Selbst wenn die aufgenommene Dosis sehr gering ist, kommt es auf die Dauer der Exposition durch die Radioaktivität an", so der Physiker weiter, der dies als "ein närrisches und gefährliches Glücksspiel" ansieht.

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