'spiegel'-Gate | Atomkraft-Propaganda im 'spiegel' nach finanziellen Zuwendungen von Bill Gates

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Am 14. Dezember erschien Ausgabe 51/2019 des ehemaligen Nachrichtenmagazins 'der spiegel' mit der Anti-Atomkraft-Sonne auf der Titelseite. Doch anders als beim Original war hier zu lesen "Atomkraft? Ja Bitte" statt dem bekannten "Atomkraft? - Nein Danke". Und auf sieben Seiten findet sich in dem Heftchen seichte Propaganda der Kernkraft-Kirche. Wie kam es hierzu?

Der Microsoft-Begründer, Milliardär (110 Milliarden US-Dollar) und globale Investor in Gentechnik und Atomenergie, Bill Gates, ließ dem mit sinkenden Auflagen kämpfenden ehemaligen Nachrichtenmagazin über seine Stiftung seit gut einem halben Jahr enorme finanzielle Mittel zukommen. So schaffen vermeintliche Philanthropen und Menschheitsbeglücker Abhängigkeiten.

Was war nun der Inhalt der sieben Seiten Kernkraft-Propaganda im 'spiegel'? Wie schon auf der Titelseite zu lesen, ist die zentrale These: "Forscher erfinden das AKW neu." Und nebenbei wird zu suggerieren versucht, "Kernkraft" könne uns vor dem "Klimakollaps" retten. Die Argumentationsmuster sind ebenfalls nicht neu: So wärmt der 'spiegel' die seit zwei Jahrzehnten immer wieder hervorgekramte These auf, "der Atomausstieg" (Frage: der in Österreich oder der in Italien?) sei ein "deutscher Irrweg". Auch sprachlich nähert sich der Sieben-Seiten-Aufsatz religiöser Erweckungs-Lyrik: "In einer Welt, die den Klimawandel als Apokalypse beschreibt, wandelt sich die Atomkraft vom Teufelswerk zum rettenden Geschenk der Natur." Offenbar spielt auch Glaube eine entscheidende Rolle, denn der Autor bekennt in einem Video: "Ich glaube, es liegt eine Chance in der Kernenergie, die auch Deutschland nicht auf alle Zeit ungenutzt lassen sollte."

Die Katastrophen des erst wenige Jahrzehnte währenden "Atomzeitalters" schiebt der 'spiegel'-Autor zwar nicht einfach zur Seite, erklärt sie jedoch rundweg als überwunden. Die Wissenschaft habe mittlerweile Atomreaktoren entwickelt, die völlig sicher seien. Und wer kann diese liefern? Hierfür steht Bill Gates bereit.

Schon seit über einem Jahrzehnt bemüht sich der Milliardär, für das nicht sonderlich erfolgreiche Start-Up 'Terrapower' Absatzmöglichkeiten aufzutun. Die Konzepte sind nicht neu. Auch im KIT in Karlsruhe, auf dem Gelände des ehemaligen Kernforschungszentrums, wird seit Langem versucht, der Atomenergie mit modularen Reaktor-Entwürfen und der Erforschung einer angeblichen Transmutation neues Leben einzuhauchen (Siehe unsere Artikel v. 26.01.14, v. 19.04.14 und v. 6.04.19). Und auch wenn es für einen Multi-Milliardär wie Bill Gates eher um finanzielle "Peanuts" gehen dürfte: In die Entwicklung der "kompakteren und günstigeren" Atom-Reaktoren, hat er immerhin bereits 500 Millionen US-Dollar investiert.

Doch der Spiritus Rector des kernkraftgläubigen 'spiegel'-Journalisten ist nicht etwa ein Physiker, sondern der Psychologe Steven Pinker. Große Teile des siebenseitigen Artikels gehen auf dessen Aussagen zurück. Nur einige LeserInnen des 'spiegel' werden es ahnen, daß Pinker von Bill Gates regelmäßig höchst werbewirksam als "brillanter Denker" oder Autor des "favorite book of all time" (zu Deutsch: vorzüglichstes Buch aller Zeiten) gefeiert wird. Und wer vertreibt dieses Buch? Bill Gates.

Und mit der Wahrheit nimmt es Steven Pinker nicht so genau: "Finnland wird mit dem weltweit ersten Endlager zeigen, dass die Lagerung in unterirdischen Stollen sicher sein kann", wird er im 'spiegel' zitiert. Trotz der im Jahr 2015 erfolgten Genehmigung durch die finnische Regierung, soll mit dem Bau erst 2023 begonnen werden. Unter Fachleuten ist das Konzept, Atommüll in Stollen unter einer Bucht zu verbuddeln, heftig umstritten. Ob das "Endlager"-Projekt jemals fertiggestellt wird, darf angesichts der nur einen Steinwurf entfernten Dauerbaustelle Olkiluoto bezweifelt werden (Siehe unseren Artikel v. 13.11.15): Dort wird seit August 2005 an dem einst mit viel Vorschuß-Lorbeeren angekündigten Atom-Reaktor der "dritten Generation" gebaut.

Auch zum Thema "Kernkraft und Klima" ist in Ausgabe 51/2019 des 'spiegel' nichts Neues zu erfahren. Wir stellten hierzu am 19. Mai 2019 einen Fakten-Check zur Verfügung.

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