Störfall im AKW Fessenheim | Spekulationen um Stilllegungs-Termin

AKW Fessenheim

Nach extremen Leistungs­schwankungen Ende Dezember kam es am Sonntag, 4. Februar, zu einem Störfall in Reaktorblock 1 des elsässischen AKW Fessenheim. Dieser wurde offiziell auf der zweituntersten Stufe der 7-stufigen Störfall-Skala INES eingeordnet. In den vergangenen Wochen war ein überdurchschnittlicher Schwall von Spekulationen über einen "näher rückenden" Stilllegungs-Termin des ältesten französischen Atomkraftwerks zu verzeichnen.

Mit drei Tagen Verzögerung wurde ein Störfall, der sich am vergangenen Sonntag (4.02.2018) ereignet haben soll, der Öffentlichkeit mitgeteilt. Wie immer wird verlautbart, es habe "keine Gefahr für Umwelt oder Anwohner" bestanden, Radioaktivität sei nicht ausgetreten. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben ist nach wie vor nicht möglich.

Laut offizieller Darstellung hat es sich bei dem Störfall um "Probleme mit einem Temperatur-Mess-System" gehandelt. Die Meldung durch den AKW-Betreiber erfolgte erst am Dienstag bei der französischen Atomaufsicht ASN, die ihn auf der zweituntersten Stufe der 7-stufigen Störfall-Skala INES einordnete. In den vergangenen Wochen war ein überdurchschnittlicher Schwall von Spekulationen über einen "näher rückenden" Stilllegungs-Termin des ältesten französischen Atomkraftwerks zu verzeichnen. Die Mainstream-Medien brachten "Nachrichten" ohne jeglichen Informationsgehalt. Unter anderem wurde darin ein Besuch des französischen Staatssekretärs Sébastien Lecornu im Januar im Elsaß aufgegriffen. Dieser habe die sensationelle und an Präzision kaum zu überbietende Aussage getätigt, das AKW Fessenheim werde stillgelegt. Von den Mainstream-Medien wurde dabei vermieden, darauf hinzuweisen, daß Lecornu weder ein Datum nannte, noch das von der Hollande-Regierung konstruierte Junktim mit der Inbetriebnahme des EPR-Atom-Reaktors Flamanville zurücknahm.

Im Jahr 2015 hatte die damalige französische Atom-Ministerin ("Umwelt-Ministerin") Ségolène Royal ein Gesetz erlassen, mit dem die im Wahlkampf 2011/2012 versprochene Stilllegung des AKW Fessenheim angeblich realisiert werden sollte. Der einzige Effekt dieses Gesetzes war jedoch jenes Junktim, das die Stilllegung des AKW Fessenheim an die Fertigstellung des Reaktors in Flamanville (Baubeginn: August 2006) knüpft (Siehe unseren Artikel v. 3.09.15). Die Fertigstellung dieses Prestige-Projekts am Ärmelkanal wird zwar trotz nicht zu leugnender und irreparabler Materialmängel mit allen legalen und illegalen Mitteln durchgepeitscht (Siehe unseren Artikel v. 11.10.17), nach vorliegenden Informationen ist aber frühestens Mitte 2019 mit der Inbetriebnahme der Chaos-Konstruktion zu rechnen.

François Hollande hatte im Wahlkampf 2011/2012 gegen den amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy versprochen, das AKW Fessenheim bis spätestens 2016 stillzulegen. In den Jahren 2016 und 2017 wechselten sich oft mehrmals im Monat die "Nachrichten" ab, in denen es das eine Mal hieß, die Einhaltung des Versprechens sei nun so gut wie sicher - und das andere Mal das Gegenteil. Bis heute liegen jedoch keine Informationen vor, die eine Hoffnung begründen könnten, das AKW Fessenheim werde in Bälde oder etwa bis Ende 2018 stillgelegt.

Der beim Staats-Konzern EdF für die Atomkraftwerke zuständige Manager Philippe Sasseigne hat im Januar erneut öffentlich bekundet, die französischen Atomkraftwerke am liebsten 60 Jahre lang betreiben zu wollen. Dies würde im Falle des AKW Fessenheim einen Weiterbetrieb bis zum Jahr 2037 bedeuten. Schon im Jahr 2010 hatte der damalige EdF-Chef Henri Proglio davon gesprochen, daß eine Betriebsdauer der französischen Atomkraftwerke von 60 Jahre angestrebt werde. Auch führende VertreterInnen der Kernkraftkirche in der Schweiz und in den USA sprechen seit langem von 60 Jahren AKW-Betrieb. Beim Zustand der französischen Atomkraftwerke ist es jedoch sehr wahrscheinlich, daß es noch vor dem Jahr 2037 zum nächsten Super-GAU kommt.

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