Untersuchung: Gravierende Folgen des Super-GAU in Region Fukushima

Fukushima

Tokio (LiZ). Ein Team von WissenschaftlerInnen um Satoshi Utsunomiya von der Kyushu Universität in Fukuoka hat in einer Untersuchung von Bodenproben in der Umgebung des vom dreifachen Super-GAU zerstörten AKW Fukushima Daiichi eine hohe radioaktive Belastung durch Cäsium-134 und Cäsium-137 festgestellt. Nach eigenen Aussagen sind die Befunde deutlich höher als erwartet und widerlegen die seit 2011 anhaltende Beschwichtigungs-Propaganda von Seiten des Strom-Konzerns TEPCO und der japanischen Regierung.

Satoshi Utsunomiya ist Professor am geologischen und mineralogischen Institut der Kyushu Universität, die zu den angesehensten staatlichen Universitäten in Japan gehört. Über sieben Jahre sind mittlerweile seit dem 11. März 2011 vergangen, als ein Tsunami zum dreifachen Super-GAU im AKW Fukushima Daiichi führte. Ein großes Glück im Unglück war für die japanische Bevölkerung, daß der Wind die meiste Zeit in Richtung Meer wehte und so der weit überwiegende Teil der radioaktiven Kontamination im Pazifik landete.

Tausende Menschen wurden evakuiert - unter einer verantwortungsbewußten Regierung hätten es zehntausende sein müssen. Seit über einem Jahr übt die japanische Regierung Druck auf diese Menschen aus, um sie zu einer Rückkehr in die mittel-radioaktiv kontaminierten Zonen zu bewegen.

Auch etliche japanische WissenschftlerInnen hatten in den vergangenen Jahren die Regierung bei ihrer Verharmlosung unterstützt, indem sie geschönte Meßergebnisse veröffentlichten und voreilig annahmen, daß ein großer Teil der durch die Explosionen freigesetzten radioaktiven Cäsium-Isotope in wasserlöslicher Form vorläge. Auf dieser Annahme basierte die These, daß ein großer Teil des freigesetzten Cäsium-134 und Cäsium-137 durch Regen weggeschwemmt oder in tonhaltigen Mineralien gebunden würde.

Die aktuelle Untersuchung von Bodenproben aus 20 vom radioaktiven Fallout betroffenen Regionen wurde jetzt von Satoshi Utsunomiya auf der Goldschmidt-Geochemie-Konferenz in Boston präsentiert. Aus der Analyse geht hervor, daß der größte Teil des radioaktiven Cäsiums in kleinen glasartigen Partikeln gebunden ist. Dies geht darauf zurück, daß bei deren Ausstoß in den Reaktor-Ruinen des AKW Fukushima Daiichi sehr hohe Temperaturen herrschten. Die analysierten Partikel sind nur wenige Mikrometer groß und nicht wasserlöslich. Deren Radioaktivität liegt bei 10 hoch 14 Becquerel (also 100 Billionen Becquerel) pro Kilogramm. Der Radioaktivitäts-Grenzwert für Trinkwasser liegt in Japan gegenwärtig bei 10 Becquerel pro Kilogramm. In Tokio war das Trinkwasser zeitweise in Höhe von mehr als 210 Becquerel pro Kilogramm durch radioaktives Jod belastet.

Die gefundenen Cäsium-Partikel sind eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit. Cäsium-137 hat eine Halbwertszeit von 30 Jahren und Cäsium-134 eine Halbwertszeit von zwei Jahren. Dies bedeutet, daß von 100 Gramm Cäsium-134 nach zwei Jahren noch 50 Gramm weiterstrahlen, nach vier Jahren noch 25 Gramm, nach sechs Jahren noch 12,5 Gramm und so weiter. Auch ein Partikel Cäsium-134 mit wenigen Milligramm Gewicht, kann - eingeatmet - Knochenkrebs auslösen.

Die WissenschaftlerInnen haben aufgrund der Bodenanalysen herausgefunden, daß rund 78 Prozent des durch den Super-GAU freigesetzten radioaktiven Cäsiums in den entdeckten Mikro-Partikeln steckt. Diese Entdeckung hat unumgängliche Konsequenzen für die Bewertung der gesundheitlichen Risiken der kontaminierten Gebiete, für die Bewertung der Wirksamkeit der bisherigen sogenannten Dekontaminierungs-Arbeiten und die Einschätzung der Dauer, wie lange solche Gebiete unbewohnbar bleiben.

Professor Utsunomiya erläutert: "Wir haben bis zu 318 dieser Partikel in nur einem Gramm Erde nachweisen können." Für einige Regionen im Raum Fukushima sei dies Anlaß zu größter Sorge. Hinzu kommt, daß es sogenannte Hot Spots gibt - kleine Bereiche mit besonders hoher Cäsium-Radioaktivität. Die Radioaktivitäts-Belastung ist also keineswegs - wie bisher oft angenommen - gleichmäßig über die Fläche verteilt.

Mit der nun vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchung dürfte endgültig klar sein, daß die Region um das AKW Fukushima Daiichi weiträumig für Jahrzehnte unbewohnbar bleiben wird. Dies bedeutet zudem, daß die bisherigen Schätzungen über die finanzielle Schadenssumme, die durch den dreifachen Super-GAU verursacht wurde und die nach offiziellen japanischen Angaben auf 150 bis 200 Milliarden Euro veranschlagt wird, deutlich nach oben korrigiert werden muß.

Quelle: www.linkszeitung.de/akwjap180815liz.html

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