WIPP - Die Folgen des Unfalls

WIPP Atomwaffenmüll-Endlager in New Mexico, USA

Das Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) liegt in einem Salzstock unter der Wüste bei Carlsbad in New Mexico. Es ist das einzige unterirdische Atommüll-Lager der USA.  Seit 1999 lagert das DOE (Department of Energy) hier Transurane, wie Plutonium und Americium aus Atomwaffen ein. Für hoch strahlenden Atommüll aus abgebrannten Brennstäben ist WIPP nicht genehmigt. Im Anbetracht der Tatsache, dass die USA nach dem Ausscheiden von Yucca Mountain (Bundesstaat Nevada) als Atommüllendlager nach allen Kräften nach einer Alternative suchen, wurde auch WIPP in Augenschein genommen. Einige Experten meinen, dass Salz eine gute Lagerstätte darstelle. So setzte die Geologin und Vorsitzende des NRC, Allison M. Macfarlane, sich für WIPP als nukleares Endlager für kommerziellen Atommüll ein, da es schon existiere und die Akzeptanz der Bevölkerung nicht mehr erarbeitet werden müsse.

Etliche lokale Politiker und Kirchengemeinden propagieren den Ausbau von WIPP mit der Aussicht auf den wirtschaftlichen Aufschwung umliegender Gemeinden. Auf Staatsebene sind die Politiker gegen den Ausbau, weil die Gegend reich an Öl und Gasvorkommen ist und durch zukünftige Bohrungen und Fracking die Radioaktivität zu Tage treten kann.

In der Tat kann man beim WIPP von einem Forschungslager sprechen – die Technologie der Einlagerung wurde nicht vorher getestet, daher “Pilot Plant”. Ein weiteres Problem des WIPP sind die häufigen Atommülltransporte (im Durchschnitt 16 pro Woche) hauptsächlich vom Atomwaffen-Komplex Los Alamos National Laboratory (Bundesstaat New Mexico), durch Reservate von indigenen Völkern, auf viel befahrenen Landstraßen und entlang von Schulen.

Am 14. Februar 2014 hat das DOE ungewöhnlich hohe Strahlungswerte über der Erde eine halbe Meile vom WIPP entfernt gemessen. Mit den ersten Meldungen wurden keine Zahlen genannt. Kein Arbeiter sei exponiert gewesen, ein unterirdisches Leck wurde vermutet.

Dieser Unfall passierte 9 Tage nachdem ein LKW im Salzstock Feuer gefangen hatte. 6 Arbeiter wurden nach Einatmen von Rauch medizinisch behandelt.
Die Aussagen des DOE waren von Anfang an sehr ungenau und wenig informativ. Erst dementierte es einen Zusammenhang mit dem LKW-Brand, dann nahm es diese Aussage wieder zurück. Als das DOE am 20. Februar noch keine weitere Information veröffentlichte, reichte die lokale Presse eine Nachfrage per FOIA (Freedom of Information Act) ein.
Daraufhin wurden von offizieller Seite die gemessenen Werte veröffentlicht. Zu den möglichen Ursachen zählte das DOE einen teilweisen Einsturz der Decke in einem der Kammern, die gerade mit Fässern gefüllt wurden.  Eines der Fässer sei möglicherweise durch den Einsturz geborsten. Radioaktivität gelang durch das Lüftungssystem nach draußen. Es ist vorgesehen, dass die Decken der einzelnen Lagerkammern im Bergwerk irgendwann einstürzen und die Fässer mit dem Salzmantel eingeschlossen werden.

Zwei Wochen nach dem Unfall verkündete das DOE, dass geplant sei, das Bergwerk wieder zu geöffnen, damit Spezialisten die Ursachen des vermuteten Lecks untersuchen könnten.

Am 27. Februar wurde bekannt, dass 13 (später korrigiert auf 21) Arbeiter im Rahmen des Unfalls mit Americium verstrahlt wurden, das sie während ihres Aufenthaltes im Salzstock inhaliert hatten.

Am 5. März berichtete das umweltpolitische Online-Magazin La Jicarita aus New Mexico ausführlich über den Stand der Dinge und zählte die immer noch ungeklärten Fragen auf:

Was war die Ursache?
Wie viel lief in der Miene aus
Wie viel wurde in die Umwelt entlassen
Wo sind diese radioaktiven Materialien jetzt?
Welcher Menge Radioaktivität waren die Arbeiter ausgesetzt?
Was sind die Gesundheitsfolgen dieser Menschen?
Welche Dekontaminationsmaßnahmen sind notwendig in  der Miene, auf dem WIPP Gelände und er Umgebung?
Im Falle einer erneuten Öffnung von WIPP, welche Änderungen im Betrieb, Monitoring und in der Sicherheitskultur werden implementiert?

Es liegt in der Natur der Dinge, das viele dieser Fragen nie beantwortet werden können.

Einige Wochen später wurde bekannt, dass am 11. März erneut erhöhte Strahlungswerte gemessen wurden. Ursache unbekannt.

Nach genaueren Untersuchungen stellte sich heraus, dass das Feuer in dem LKW hätte verhindert werden können, wenn durch regelmäßige Reinigungen brennbares Material von der Ladefläche entfernt worden wären. Außerdem war ein automatisches Feuerlöschsytem des Lastwagens deaktiviert.
Im März hat die Regierung New Mexicos eine vorläufige Genehmigung auf Erweiterung der Atommülleinlagerungen im WIPP in weiteren Gewölben des Salzstocks abgelehnt mit der Begründung, dass zunächst die Sicherheitsmaßnahmen verbessert werden müssen. Es war geplant, neben den Transuranen auch verstrahlte Materialien wie Arbeitskleidung einzulagern.

Ende März gab es noch immer nicht mehr Informationen über die Ursache der Freisetzung.

Der vorläufige Betriebsstopp des WIPP hat Auswirkungen auf die Bombenkomplexe in der USA, so auch Savannah River Site in South Carolina, von wo aus für Ende des Jahres eine Plutoniumlieferung ins WIPP geplant war. WIPP hatte zugesagt, bis September 2014 insgesamt 4000 Kubikmeter Atommüll anzunehmen.
Die Folge einer längeren Schließung wird den Druck der Bundesstaaten erhöhen, die in den Atomforschungszentren (National Laboratories) Atommüll aus Bomben anhäufen und loswerden wollen. Es stellt sich die große Machbarkeits-Frage: Wohin mit dem ständig anfallenden Müll? Für das Ansinnen, WIPP in die Auswahl eines Endlagers für abgebrannte Brennstäbe zu nehmen, bedeutet der Betriebsstopp erst einmal ein großer Schritt zurück. Es steht weiterhin im Raum, Yucca Mountain zu reaktivieren, allerdings kommt starker Protest aus dem Heimat-Staat Nevada.

Photo credit: mariamuir.com

http://www.nytimes.com/2014/02/10/science/earth/nuclear-waste-solution-s...
http://www.fukuleaks.org/web/?p=12394
http://www.nytimes.com/2014/02/26/us/nuclear-waste-repository-set-to-reo...
http://www.fukuleaks.org/web/?p=12468
http://lajicarita.wordpress.com/2014/03/05/whats-wrong-with-wipp/
http://www.bbc.com/news/world-us-canada-26587349
http://thebulletin.org/wipp-problem-and-what-it-means-defense-nuclear-wa...
http://safeenergy.org/2014/03/26/the-wipp-story-will-be-a-saga/
 

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