Zur Stilllegung des AKW Fessenheim | Rückblick und Ausblick

AKW Fessenheim, Domino-Effekt? - Grafik: Samy - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Die Stilllegung des AKW Fessenheim am 29. Juni 2020 ist zwar für die Anti-Atom-Bewegung im Dreyeckland ein Grund zur Freude, aber kein Anlaß für Triumph. Die Reaktoren haben über vier Jahrzehnte Strom, Geld und Gefahren produziert. Der dabei entstandene Atommüll muß für mindestens eine Million Jahre sicher gelagert werden und gefährdet das Leben zukünftiger Generationen auf dieser Erde.

Das AKW Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Der französische Strom-Konzern EdF entwickelte schon 1962 erste Pläne für den Bau eines Atomkraftwerks im elsässischen Fessenheim. Baubeginn war am 1. September 1971. Die beiden Druckwasser-Reaktoren à 880 Megawatt gingen am 7. März und am 7. Oktober 1977 in Betrieb. Ursprünglich wurde dieser - auf US-Blaupausen von Westinghouse und General Electric zurückgehende - Reaktor-Typ von den planenden Ingenieuren für eine Betriebszeit von 25 Jahren ausgelegt. Das AKW Fessenheim muß also schon seit 18 Jahren als überaltert bezeichnet werden.

In jedem Atomkraftwerk wird jährlich pro Megawatt elektrischer Leistung die Radioaktivität einer Hiroshima-Bombe erzeugt. Umgerechnet auf die beiden Reaktorblöcke des AKW Fessenheim bedeutet dies, daß dort in jedem Betriebsjahr die kurz- und langlebige Radioaktivität von 1.760 Hiroshima-Bomben entstand. Die Freisetzung auch nur eines geringen Teils dieser Radioaktivität hätte verheerende Folgen für alles Leben in der gesamten Region. Ein Super-GAU - wie 1986 in Tschernobyl oder 2011 in Fukushima - im AKW Fessenheim würde je nach Windrichtung eine Schneise der Zerstörung quer durch Deutschland und Dänemark bis nach Schweden hinein schlagen.

AKW Fessenheim, Super-GAU - Grafik: Project flexRISK - Creative-Commons-Lizenz Namensnennung Nicht-Kommerziell 3.0

Bei einem Vergleich mit dem Super-GAU von Tschernobyl ist außerdem zu berücksichtigen, daß es sich im Fall des 1986 havarierten sowjetischen Meilers um einen Militärreaktor zur Erzeugung von Plutonium für Atombomben handelte. Dies bedeutet, daß die Brennelemente für nur wenige Tage bis höchstens zwei Monate im Reaktor verbleiben. Bei einem längeren Verbleib und damit höheren "Abbrand" vermischt sich ansonsten das Waffenplutonium mit unspaltbaren Isotopen wie Plutonium-240 und Plutonium-242. Im Vergleich hierzu verbleiben die Brennstäbe in europäischen "zivilen" Atom-Reaktoren bis zu sechs Jahre im Reaktor. Dies bedeutet, daß sich unter ungünstigen Voraussetzungen bis zu tausend mal mehr Radioaktivität in einem der Atom-Reaktoren des AKW Fessenheim befindet als in jenem des AKW Tschernobyl.

Ebenso wie deutsche Atomkraftwerke ist auch das AKW Fessenheim nicht ausreichend gegen Terror-Angriffe wie etwa dem gezielten Absturz eines gekaperten Linienflugzeugs nach Vorbild des 11. September 2001 geschützt. Allein im Umkreis von 30 Kilometern wohnen rund eine Million Menschen, die bei einem Super-GAU nicht rechtzeitig evakuiert werden könnten. In den vergangenen 42 Jahren des Betriebs des AKW Fessenheim gab es de facto keinen Katastrophenschutzplan. Bei einer Veranstaltung in Freiburg unter der Regie der Stadtverwaltung am 16. Oktober 2018 kam zutage, daß zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal Klarheit darüber bestand, wo die Busse parken sollen, mit denen die Freiburger Bevölkerung hätte evakuiert werden können. Ebenso wenig geklärt war bis zu diesem Zeitpunkt, wohin die Evakuierten gebracht werden sollten. Auf eine entsprechende Frage antwortete die zuständige Referatsleiterin (am 16. Oktober 2018): "Wir sind in Gesprächen mit Regierungspräsidien außerhalb der Evakuierungszonen und mit dem Innenministerium." (Siehe unseren Artikel v. 18.10.18) Klar ist auf der anderen Seite, daß es in ganz Baden-Württemberg bei Weitem nicht genügend Plätze in Intensivstationen gibt, wo die radioaktiv kontaminierten Opfer eines Super-GAU versorgt werden könnten.

41 Jahre lang hatten Parteien-Politik und Verwaltung es vermieden, der Bevölkerung klar zu sagen, daß im Falle eines Super-GAU im AKW Fessenheim und vorherrschendem West-Ost-Wind für mehr als die Hälfte der EinwohnerInnen Freiburgs keine Chance besteht, lebend zu entkommen, weil sie nicht rechtzeitig evakuiert werden können. Die Ausfallstraßen werden innerhalb kürzester Zeit hoffnungslos verstopft sein...

Im März 1978 gelang es den badisch-elsässischen Bürgerinitiativen, Teile des geheimen Katastrophenschutzplanes zu veröffentlichen. Diese waren aus dem Landratsamt Lörrach gestohlen worden. In den Mainstream-Medien wurde allerdings mehr Skandal um den Diebstahl gemacht als um den skandalösen Katastrophenschutzplan - obwohl dieser doch die Hilflosigkeit der Behörden im Fall eines Super-GAU im AKW Fessenheim dokumentierte.

Hier im Folgenden nur eine kleine Auswahl der brisantesten Skandale in der Geschichte des AKW Fessenheim:

Im Herbst 1979 machte ein vormaliger Sicherheits-Ingenieur sein Wissen um Risse an den Stutzen des Reaktordruckbehälters öffentlich. Konsequenzen wurden daraus - wie kaum anders zu erwarten - nicht gezogen. EdF berief sich auf "bruchmechanische Berechnungen", die trotz der Risse die Sicherheit des Druckbehälters beweisen sollten.

1991 wurde bekannt, daß der Deckel des Reaktordruckbehälters von Block I Risse aufweist.

1995 wurde ein Mitarbeiter im AKW Fessenheim radioaktiv kontaminiert.

Im Juni 1996 wurden Risse im Deckel des Reaktordruckbehälters von Block II entdeckt. Dieser wurde erst zwei Jahre später ausgetauscht. In Block I wird der 54 Tonnen schwere Deckel im Juli 1996 ersetzt.

Im November 1996 stand eines von drei Sicherheitsventilen über einen Monat lang offen, ohne daß es bemerkt wurde. Veröffentlicht wurde dies erst am 8. Dezember.

Im April 1997 wurden Fehler an den Röhren des Primärkreislaufs entdeckt.

Im November 1998 wurde eine defekte Schweißnaht im Noteinspeisekreislauf publik.

Im August 2000 mußte die EdF eingestehen, daß die Wasserbecken des Notkühlsystems und das Abklingbecken für verbrauchte Brennelemente nicht erdbebensicher sind.

Im Januar 2004 wurden Konstruktionsfehler im Notkühlsystem der französischen Druckwasserreaktoren bekannt - ohne Folgen für das AKW Fessenheim (Siehe unseren Artikel v. 10.01.04).

Ebenfalls im Januar 2004 wurden bei Reparaturarbeiten am Primärkreislauf des AKW Fessenheim sieben Arbeiter verstrahlt. Über vier Tage hin versucht die Kraftwerksleitung den Unfall zu verheimlichen (Siehe unseren Artikel v. 29.01.04).

Mitte Februar 2004 wurde bekannt, daß am Samstag, 14. Februar, weitere drei Arbeiter einer Fremdfirma bei Arbeiten am Reaktordruckbehälter kontaminiert wurden (Siehe unseren Artikel v. 16.02.04). In den darauf folgenden Tagen sickern Informationen durch, daß die Gesamtzahl der Kontaminierten mindestens 12 beträgt (Siehe unseren Artikel v. 19.02.04).

27. Oktober 2007
Vier Tage zuvor wurde nach offiziellen Angaben bei einem Arbeiter eine "leichte innere Verstrahlung" festgestellt. Falls er auch nur wenige Nanogramm Plutonium eingeatmet hat, ist ihm Lungenkrebs sicher. Zugleich wurden Defekte an drei Pumpen publik (Siehe unseren Artikel v. 27.10.07).

Exakt einen Monat darauf wurde publik, daß erneut Mitarbeiter verstrahlt wurden: Diesmal vier sogenannte Nuklear-Nomaden, Mitarbeiter einer externen Leiharbeitsfirma (Siehe unseren Artikel v. 27.11.07).

April 2009
Das französische Greenpeace-Büro wurde offenbar systematisch ausspioniert. Gegen zwei hochrangige Mitarbeiter des französischen Energie-Konzerns und AKW-Betreibers EdF ermittelte die Staatsanwaltschaft in Paris. Ihnen wurde vorgeworfen, illegal in Greenpeace-Computer eingedrungen zu sein und Daten ausspioniert zu haben (Siehe unseren Artikel v. 1.04.09).

23. Februar 2010
Erst mit nahezu zwei Monaten Verspätung wurde bekannt, daß es sich bei der "Störung" von Ende Dezember 2009 im AKW Fessenheim um einen weitaus brisanteren Vorgang gehandelt hatte. Beim Wiederanfahren von Block II war es zu einer "teilweisen Verstopfung" des Kühlsystems gekommen, nachdem mit dem Kühlwasser aus dem Rhein-Seiten-Kanal auch Pflanzenmaterial in die Rohre gelangt war. In der Folge habe ein Meßfühler an einem Trommelsieb versagt, welches das Wasser filtern sollte. Daraufhin versagte die automatische Abschaltung und das Trommelsieb wurde aus der Verankerung gerissen. Dadurch konnte eine größere Menge Pflanzenreste tiefer in das Rohrsystem und in die Kühlkreisläufe gelangen. Betroffen war laut der nun vorliegenden Darstellung auch das sicherheitsrelevante Nebenkühlsystem SEB, das zur Kühlung sicherheitstechnisch wichtiger Komponenten dient.

Die EdF hatte wegen des "Störfalls" den internen Notfallplan in Kraft gesetzt und auch die französische nukleare Sicherheitsbehörde ASN hatte ihren internen nationalen Notfallstab einberufen und MitarbeiterInnen ins AKW Fessenheim entsandt. All dies wurde wochenlang geheim gehalten (Siehe unsere Artikel v. 23.02.10 und v. 27.12.09).

26. September 2010
Mit über einem Monat Verspätung erfuhr die deutsche Öffentlichkeit von einem "unkontrollierten" Austritt von radioaktiven Gasen aus dem AKW Fessenheim am 24. August. Dieser "Störfall" wurde entgegen wiederholter Zusagen in der Vergangenheit von den deutschen Behörden nicht veröffentlicht. Noch wenige Tage zuvor hatte das Regierungspräsidium Freiburg eine Mitteilung der ASN zum AKW Fessenheim vom 16. September in einer Kurzfassung herausgegeben, in der für den Zeitraum zwischen Februar und September 2010 lediglich unbedeutende "Pannen" erwähnt werden, mit keinem Wort jedoch wurde auf den Vorfall vom 24. August eingegangen.

Danach wurde zwar publik, daß 50 Kubikmeter radioaktiver Gase freigesetzt worden waren, jedoch nicht, wie viel Radioaktivität damit an die Umwelt abgegeben wurde (Siehe unseren Artikel v. 26.09.10).

14. Juni 2011
Eine Studie, die im Auftrag der regionalen Überwachungs-Kommission und des Regionalrates in Colmar erstellt wurde, kam zum Ergebnis, daß das AKW Fessenheim nicht ausreichend gegen die Folgen eines Dammbruchs gesichert ist. Sie bestätigte damit eines der von der Umwelt- und der Anti-Atom-Bewegung dies- und jenseits des Rheins seit Jahren vorgebrachten Argumente.

Der Betreiber EdF hatte bis dahin immer behauptet, das AKW sei gegen Überflutungen in Folge eines Dammbruches geschützt. Doch laut einer TV-Dokumentation auf 'France 2' hielt der Konzern einen internen Bericht zurück, in dem Untersuchungsergebnisse über den katastrophalen Zustand des Rheinseitenkanals zu lesen sind (Siehe unseren Artikel v. 14.06.11).

23. September 2011
Im AKW Fessenheim ereignete sich wieder eine "Panne". Bei Arbeiten im Rahmen der Zehnjahres-Revision von Reaktor-Block II wurde ein Mitarbeiter eines Subunternehmens, ein "Nuklear-Nomade", verstrahlt (Siehe unseren Artikel v. 23.09.11).

Die Reihe an Skandalen läßt sich für die Jahre 2012 bis 2020 fortsetzen und in atomkritischen Publikationen nachlesen.

15. Februar 2013
Jean-Louis Basdevant, hochrangiger Kernphysiker und Professor an der polytechnischen Hochschule, fordert die Stilllegung des ältesten französischen Atomkraftwerks Fessenheim. Er bezeichnet dies in einem Interview als "moralische Pflicht." Neben vielem anderen, das zumindest AtomkraftgegnerInnen seit vielen Jahren bekannt ist, weist Basdevant auf die dramatischen Auswirkungen eines Super-GAU im AKW Fessenheim auf das größte Trinkwasservorkommen Europas hin. Der Meiler befindet sich an der Basis des Oberrhein-Aquifers. Das Rheintal zwischen Basel und Rotterdam ist das am dichtesten besiedelten Gebiet Europas mit einer hohen Konzentration von Industrieanlagen.

Laut Basdevant würde dies im Falle einer partiellen Kernschmelze mit Austritt von Radioaktivität aus dem Reaktordruckbehälter und einem Dammbruch bedeuten, daß der Rhein bis nach Rotterdam kontaminiert wird. Ein schwerer Unfall im AKW Fessenheim wäre eine dramatische Katastrophe für ganz Europa und nach den Worten Basdevants "ein Dolchstoß, der das Leben dieser Region für mehr als 300 Jahre vernichten würde." (Siehe unseren Artikel v. 15.02.13).

Bereits im sogenannten Normalbetrieb eines Atomkraftwerks wird Radioaktivität freigesetzt. Im Jahr 2007 kam eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zu dem Ergebnis, daß im Umkreis von 50 Kilometern um ein Atomkraftwerk signifikant mehr Kleinkinder an Leukämie erkranken. Je näher die Kinder am Atom-Reaktor aufgewachsen waren, desto höher lag ihr Risiko, an Blut-Krebs zu erkranken.

Konkret bezieht sich dieses Ergebnis auf Kinder in den ersten fünf Lebensjahren. Die beauftragten Mainzer WissenschaftlerInnen hatten für ihre Studie eine aufwendige Vorgehensweise gewählt. In die Studie wurden alle von 1980 bis 2003 diagnostizierten Krebs-Fälle von Kindern unter fünf Jahren einbezogen, die in den Landkreisen wohnten, die an die - zu dieser Zeit - 17 deutschen Atomkraftwerke grenzen. Insgesamt sind das 41 Landkreise. In diesen Regionen erkrankten 1.592 Kleinkinder an Krebs, darunter 593 an Leukämie. Den 1.592 krebserkrankten Kindern stellten die Forscher 4.735 gesunde Kinder gegenüber, die zur selben Zeit in derselben Gegend aufgewachsen waren. Diese als "Fall-Kontroll-Studie" bezeichnete Vorgehensweise gilt für derartige Fragestellungen als besonders zuverlässig. Der Wohnort wurde bis auf 25 Meter genau bestimmt.

Bereits im Juli 2007 lag eine entsprechende US-amerikanische Studie vor, die nach einer Untersuchung an 136 Atomkraftwerke zum Ergebnis kam, daß das Krebsrisiko im näheren Umkreis von Atomkraftwerken um durchschnittlich 24 Prozent erhöht ist. Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2001 ermittelte bei einer Untersuchung dreier bayerischer AKW, daß die kindliche Krebsrate in deren Umkreis hochsignifikant um 30,6 Prozent erhöht ist.

Mit der Stilllegung des AKW Fessenheim sinkt zwar das Risiko eines Super-GAU. Doch während der Zeit des Abrisses muß weiter mit einer schleichenden radioaktiven Kontamination im Umkreis von Fessenheim gerechnet werden. Naive Gemüter erwarten, daß schon in wenigen Jahren die vielzitierte "grüne Wiese" besichtigt werden könne.

Klar ist aber, daß es - nach offizieller Abriß-Planung - noch mindestens 25 Jahr - also bis 2045 dauern wird, bis das Gelände frei von radioaktivem Material sein kann. Und wenn wir den Zeitverzug im Fall des Abrisses des französischen AKW Chooz A zugrunde legen, muß eher mit 30 bis 35 Jahren gerechnet werden, statt mit 25.

In den kommenden Jahren steht für die Anti-Atom-Bewegung im Dreyeckland noch ein harter Kampf bevor, um wenigstens die gröbsten Mißgriffe beim Abriß des Atomkraftwerks zu verhindern. Der AKW-Betreiber EdF wird erfahrungsgemäß versuchen, in jedem Fall die billigste Variante durchzusetzen. So muß etwa damit gerechnet werden, daß radioaktiv kontaminierte Metall-Teile ins Metall-Recycling geschleust werden sollen. Radioaktiv strahlende Kochtöpfe wären in der Folge nicht auszuschließen. Aus der vorliegenden skizzenhaften Abriß-Planung geht zudem hervor, daß die EdF die Fundamente des AKW Fessenheim nicht herausreißen und das mit Tritium kontaminierte Erdreich nicht ausheben will. Stattdessen sollen die "Keller" des AKW Fessenheim dazu genutzt werden, um diese mit einem Teil des radioaktiven Abriß-Materials zu verfüllen.

Über den so "entsorgten" radioaktiven Bauschutt kann eine dünne Schicht Humus und darüber Rollrasen wie im Fußballstadion aufgebracht werden. Das sähe dann hübsch grün aus. Deutschland ist auch hier ein schlechtes Vorbild: Zu erinnern ist an die sogenannte Sanierung der Wismut. Es handelte sich bei der SDAG Wismut um den sowjetisch-deutsche Uranabbau auf einem riesigen Areal im Grenzgebiet zwischen Thüringen und Sachsen. Bis 1990 war die SDAG Wismut der weltweit viertgrößten Produzenten von Uran.

Ehemalige Absetzbecken wurden nach 1990 nur abgedeckt und nicht abgedichtet. Ein Teil der Niederschläge sickert nach wie vor durch die feinkörnigen Bergbaurückstände hindurch, so daß giftige Stoffe ins Grundwasser gelangen. Es gibt eine dauerhaft erhöhte radioaktive Belastung in den betroffenen Gebieten Thüringens und Sachsens. Im Jahr 2007 sollte die Bundesgartenschau Gera-Ronneburg einen Teil der verwüsteten Landschaften hübsch überdecken. Auf 75 Hektar konnte ein gigantischer Blumenteppich aus mehr als 100.000 Stauden, 30.000 Rosen und Begleitpflanzen sowie ein 500 Meter langer Blütencorso im Wechselflor besichtigt werden.

Doch um sich an einem schlechten Beispiel zu orientieren, muß der AKW-Betreiber EdF seinen Blick nicht bis ins Gebiet der ehemaligen DDR streifen lassen. Auch Baden-Württemberg ist hier leider "vorbildlich": Mit Hilfe des wissenschaftlich nicht zu begründenden 10-Micro-Sievert-Konzepts soll im deutschen Südwesten leicht radioaktiver Müll "freigemessen" werden, um ihn dann - um nur einen Fall zu nennen - auf der Deponie Sansenhecken im Neckar-Odenwald-Kreis abkippen zu können (Siehe unseren Artikel v. 13.07.17).

Zugleich zeichnet sich für die Anti-Atom-Bewegung ein leichter Hoffnungsschimmer am Horizont ab. Es kursieren Angaben, die den von Seiten der EdF seit vielen Jahren befürchteten Domino-Effekt im Falle der Stilllegung des AKW Fessenheim möglich erscheinen lassen: So soll bereits am 15. September dieses Jahres ein Reaktor des französischen AKW Dampierre folgen. Für die Stilllegung jeweils eines Reaktors der Atomkraftwerke Tricastin und Gravelines steht der 15. Dezember im Raum. Und ein Reaktor des AKW Blayais soll demnach im Dezember 2021 stillgelegt werden.

 

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