Zwischenlagerung von Atommüll in Neckarwestheim Gemeinde will weitere Transporte stoppen

Zwischenlagerung von Atommüll in Neckarwestheim Gemeinde will weitere Transporte stoppen

Die Gemeinde Neckarwestheim will künftige Castoren-Transporte ins Zwischenlager verhindern. Das erste Castor-Schiff ist am Mittwochabend in Neckarwestheim angekommen.

Der Gemeinderat hat sich Mittwochabend in nichtöffentlicher Sitzung für den weiteren Rechtsweg beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ausgesprochen. Damit sollen die nächsten Atommülltransporte aus Obrigheim gestoppt werden. Die Entscheidung fiel mit nur einer Gegenstimme.

Sicherheitsbedenken

Am 20. Juni war ein Eilantrag gegen die Castor-Transporte vor dem Verwaltungsgericht Berlin gescheitert. Neckarwestheims Bürgermeister Jochen Winkler kritisierte an dem Gerichtsbeschluss vor allem, dass die Sicherheitsbedenken der Gemeinde nicht berücksichtigt wurden. "Wir werden nächste Woche Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht einlegen", sagte Winkler (parteilos).

Außerdem beantragt die Gemeinde die aufschiebende Wirkung für die Atomtransporte. Ein Sprecher der EnBW erklärte Mittwochabend, dass die nächsten vier Atommülltransporte von Obrigheim nach Neckarwestheim jetzt vorbereitet werden.

Ankunft nach 13 Stunden

Kurz vor 19 Uhr, 13 Stunden nach dem Start, kam das Castor-Transportschiff am Zwischenlager Neckarwestheim an. Der Castor-Transport mit Atommüll aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim (Neckar-Odenwald-Kreis) war am Mittwochmorgen gestartet. Insgesamt sechs Schleusen musste der Transport passieren. Auffällig war die hohe Polizeipräsenz: berittene Polizei, Beamte auf Mountain-Bikes und Hubschrauber in der Luft.

Atomkraftgegner versuchten Transport zu stoppen

Bei dem Transport am Mittwoch gab es mehrere Zwischenfälle. Zwei Aktivisten hatten sich von der Brücke am Horkheimer Wehr abgeseilt. Sie hingen unterhalb der Brücke, zwischen sich Plakate mit Aufschriften wie "Castor stoppen" oder "Atommüll verhindern, bevor er entsteht". Die Sprecherin der Polizei, Andrea Kopp, sagte dem SWR: "Es war ein ähnliches Vorgehen wie bei der Brücke bei Bad Wimpfen. Wir haben die Personen angesprochen, dass sie sich von der Brücke entfernen sollen. Und wenn sie das nicht tun, werden wir die Brücke räumen." Was die Polizei getan hat.

Aktivisten bei Bad Wimpfen

Am Mittwochmittag hatten Atomkraftgegner den Transport für etwa eine halbe Stunde gestoppt. Sie seilten sich von einer Brücke bei Bad Wimpfen ab. Zwei Aktivisten wurden auf ein Polizeiboot geholt. Die insgesamt vier Mitglieder der Umweltschutzorganisation Robin Wood trugen ein großes Banner mit der Aufschrift "Verhindern statt verschieben" bei sich. Ihnen sei klar, dass sie den Transport nicht verhindern können, es ginge um Aufmerksamkeit, sagte ein Sprecher der Gruppe.

Minister Untersteller vor Ort

Ebenfalls am Mittwochmittag war Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) an der Schleuse Bad Friedrichshall-Kochendorf eingetroffen. Dem SWR sagte er: "Wir haben Messtrupps an der gesamten Strecke und ich habe mir die Werte auch noch mal angeschaut. Übersetzt und vereinfacht: Jeder, der von uns hier am Rande steht und diesen Transport beobachtet, bekommt praktisch keine zusätzliche Belastung mit."

 

Rund 50 Atomkraftgegner marschierten in Heilbronn zur Theresienwiese, wo es eine Kundgebung gab. Sie protestieren gegen den Transport: Er sei unnötig, gefährlich und verantwortungslos.

 

Jörg Michels vom Energieversorger EnBW verteidigte gegenüber dem SWR nochmals den Transport auf dem Wasser: "Der Schiffstransport ist sicher und verantwortlich durchführbar. Darüber hinaus stellt der Castor-Behälter selbst die eigentliche, wesentliche Sicherheitsbarriere dar."

Großer Polizeieinsatz

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch waren die drei Castor-Behälter in Obrigheim auf das Transportschiff gebracht worden. Die Verladung dauerte gut drei Stunden. Die Aktion wurde von zahlreichen Polizisten an Land und in der Luft abgesichert.

Das Umweltministerium in Stuttgart teilte mit, Strahlenmessungen an der Strecke des Transports deuteten auf einen "einwandfreien" Ablauf hin. "Gleiches gilt für das Schiff selbst", hieß es per Twitter. 

 

https://www.swr.de/swraktuell/bw/heilbronn/atommuell-schiff-neckar/-/id=...