Menschenkette in Freiburg: 1200 erinnern an den Super-GAU von Fukushima

Freiburg (LiZ). Unter dem Motto "Baden-Württemberg - Zwei Jahre nach Fukushima: Wir können alles - außer Atomausstieg!" formierten sich am heutigen Samstag in der Freiburger Innenstadt 1200 Atomkraft-GegnerInnen zu einer Menschenkette. Sie erinnerten damit an den Super-GAU am 11. März 2011 und protestierten gegen die Hinhaltetaktik sowohl der "grün-roten" Landesregierung als auch der "schwarz-gelben" Bundesregierung.

In einem vierseitigen Flugblatt kritisierte die Anti-Atom-Gruppe Freiburg - neben Greenpeace Freiburg und deren Jugendgruppe eine der drei Veranstalterinnen - , daß die Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann in den vergangenen beiden Jahren "nichts getan" habe. "Die Protestierenden sind zu Recht unzufrieden,“ so Ingo Falk von der Anti-Atom-Gruppe Freiburg. Auch die "Hinhaltetaktik" bei der Energie-Wende wurde in deutlichen Worten kritisiert. Wie auch in den Mainstream-Medien zu lesen war, findet sich Baden-Württemberg beim Ausbau der erneuerbaren Energien im bundesweiten Ländervergleich nach wie vor auf dem letzten Platz und trägt die "rote Laterne". Selbst die baden-württembergische SPD reagierte auf diese Meldungen mit der Ankündigung, es müsse jetzt endlich etwas geschehen.

Bei der Auftakt-Kundgebung ab 11 Uhr zog der Liedermacher Theo Ziegler mit Gesang und frischen, kritischen Liedern, die manch einen an die Protestsongs der 1960er-Jahre erinnerten, auch ansonsten kaum für Politik ansprechbare Menschen mit Plastiktüten in der Hand auf Freiburg "Shopping-Meile" in seinen Bann. Besonders viel Aufmerksamkeit erregte die elsässische Percussion-Band 'Allons Z'Enfants de la Batterie', die mit ihren Instrumenten die Kaiser-Joseph-Straße zwischen Siegesdenkmal und Martinstor zum swingen brachte. Spontanen Beifall ernteten auch die pantomimischen Aktionen der Anti-Atom-Theatergruppe und die weißgekleideten StelzenläuferInnen der Gruppe 'Energiekämpfe in Bewegung' (EKIB). Und besonders das Wetter hatte es mit den Freiburger Atomkraft-GegnerInnen gut gemeint: Nach regnerisch-kalten Wochen strahlte die gesamten fünf Stunden der Kundgebung die Sonne vom Himmel.

Bei der Schlußkundgebung spielte die Band 'Goschehobel', die mit ihren Songs aus ihrem mittlerweile drei Jahrzehnte umfassenden Repertoire im Dreyeckland Kultstatus genießt. Nach einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer von Tsunami und Super-GAU in Japan, sprach die japanische Umweltaktivistin Mika Kumazaki. Sie appellierte an ihre Landsleute und die Menschen in Deutschland gleichermaßen, weiter für eine Energiewende und einen sofortigen Atomausstieg zu kämpfen.

Harry Block vom BUND Karlsruhe prangerte an, daß zwei Atom-Meiler in Philippsburg bei Karlsruhe und Neckarwestheim bei Heilbronn weiter in Betrieb bleiben dürfen. Hart kritisierte er die baden-württembergische Landesregierung, daß nach wie vor Landesmittel für die Atomforschung am Karlsruher Institut für Transurane fließen und daß diese Forschung in den letzten beiden Jahren sogar ausgeweitet wurde. Ein Skandal sei zudem, daß in Karlsruhe Atomkraftwerke der 4. Generation entwickelt werden und der landeseigene Energie-Konzern EnBW drei Professuren für die Atomforschung bezahlt. Viele der Anwesenden, die sich ansonsten auf die Informationen aus den Mainstream-Medien und auf das Freiburger Monopolblatt 'Badische Zeitung' verlassen, zeigten sich schockiert und fragten nach dem Redemanuskript.