Akiko Yoshida sprach über die Lage in Fukushima: U-AStA und Anti-Atom-Gruppe hatten eingeladen

Pressemitteilung der AAFr vom: 

Mittwoch, 19. März 2014

Aus eigener Anschauung berichtete die Japanerin Akiko Yoshida am Dienstag Abend über die aktuelle Lage in der Präfektur Fukushima und den angrenzenden radioaktiv kontaminierten Gebieten. Wegen der unzureichenden Nachrichtenlage, die wegen der intransparenten Informationspolitik der japanischen Regierung und des Betreiberkonzerns TEPCO auch drei Jahre nach Beginn des Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi noch in Europa herrscht, war der Vortrag von Frau Yoshida in einem Hörsaal der Albert-Ludwigs-Universität gut besucht. Veranstalter waren neben U-AStA und Anti-Atom-Gruppe Freiburg auch der Deutsch-Japanische Kulturverein, BUND, ECOtrinova, attac und das Friedensforum Freiburg.

Frau Yoshida arbeitet in Japan für die BUND-Partnerorganisation Friends of the Earth Japan (FoEJ) und half bei der Betreuung der vor der radioaktiven Verseuchung flüchtenden Bevölkerung. Dabei stellten Mitarbeiter ihrer Organisation durch eine Vielzahl eigener Messungen fest, daß die von den Behörden und vom Betreiber-Konzern TEPCO veröffentlichten Radioaktivitätswerte in aller Regel um mehr als 30 Prozent unter den tatsächlichen Werten vor Ort lagen. Nicht nur FoEJ sondern auch die örtlichen Bürgerinitiativen kritisierten zudem heftig den von Behördenseite festgelegten Grenzwert von 20 mSv/a, der von den Betroffenen inklusive der Kinder zu tolerieren sei.

Auf Grund von Wortmeldungen und Fragen des Publikums wurde deutlich, daß in Deutschland kaum bekannt ist, wo sich radioaktiv belastete Gebiete nordwestlich und südlich des AKW-Standorts befinden. Anhand von Karten zeigte Yoshida auf, daß sich die von Abluftfahnen und Niederschlägen verursachten radioaktiven Gebiete keineswegs durch mit dem Zirkel auf der Landkarte eingezeichnete Kreise eingrenzen lassen. Offenbar ist in Europa zudem nach wie vor die Falschinformation weit verbreitet, durch die Windverhältnisse, die in den Monaten nach dem 11. März 2011 einen großen Teil des radioaktiven Inventars aufs offene Meer bliesen, seien die Einwohner verschont worden. Yoshida kritisierte die japanischen Behörden, die offenbar allein deshalb die Evakuierung von Städten wie Fukushima und Koriyama verweigerten, weil die Evakuierung von Städten mit jeweils rund 300.000 Einwohnern sehr aufwendig und teuer wären. Erst im Dezember 2011 wurden nach anhaltenden Protesten der Bevölkerung die Evakuierungszonen teilweise entsprechend den Forderungen ausgeweitet.

FoEJ initiierte wegen der anhaltenden unverantwortlichen Belastung der Kinder in der Präfektur Fukushima das "Poka-Poka-Projekt", das mit Unterstützung aus ganz Japan ab Januar 2012 Kindern dazu verhalf, die radioaktiv kontaminierten Gebiete wenigstens zeitweise zu verlassen. Yoshida zeigte Video-Aufnahmen mit Stellungnahmen der betroffenen Bevölkerung, Szenen aus öffentlichen Anhörungen und die anrührenden Aussagen eines Vaters, der wegen erhöhter Radioaktivitätswerte in der oberen Etage seines Hauses das Kinderzimmer in den Keller verlegt hatte. Für viele im Publikum war es erschütternd zu sehen, daß die sogenannte Dekontamination in der Region um Fukushima vielfach darin besteht, Berge von schwarzen Plastiksäcken, die mit radioaktiv belasteter Erde gefüllt sind, offen am Straßenrand abzulagern. Yoshida zeigte auch Bilder von Hinterhöfen, in denen radioaktiv belastetes Erdreich abgelagert und mit blauer Plastikplane abgedeckt wurde.

In der an den Vortrag anschließenden Fragerunde wurde deutlich, daß die veröffentlichten Werte der Strahlenmessungen wenig aussagekräftig sind, da lediglich die weitreichende Strahlung, jedoch nicht Alpha-Strahler wie etwa Plutonium, hierbei erfaßt wird. Dabei ist nachweislich gerade der Anteil der Radioaktivität, die etwa über Atmung und Essen aufgenommen wird, für die ab 2015 zu erwartende Zunahme der Krebsfälle relevant. Wie die Erfahrungen nach dem Super-GAU von Tschernobyl gezeigt hatten, ist - zunächst bei Kindern - mit einem ersten deutlichen Anstieg der Krebserkrankungen ab dem vierten Jahr nach der Katastrophe zu rechnen.

Nach weiteren Fragen wurde deutlich, daß in Deutschland auch kaum bekannt ist, daß die Demonstrationen in Tokio und vielen anderen japanischen Städten gegen den von der Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe geplanten Wiedereinstieg in die Atomenergie unvermindert anhalten.

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