Atommüll auch in Baden ein aufregendes Thema / Jochen Stay von .ausgestrahlt im Jos Fritz Café

Pressemitteilung der AAFr vom: 

Dienstag, 12. Mai 2015

Kontakt: info@antiatomfreiburg.de

Wenn Bürgerbeteiligung erwünscht ist, dann ist die Sorge, es würden sich zu wenige für das Thema Atommüll interessieren, völlig unberechtigt. Dies war eine der Hauptthesen Jochen Stays in seinem Vortrag am Montag im Jos Fritz Café. Er belegte diese mit zwei Beispielen: In Geesthacht bei Hamburg geht es um die Altlasten des früheren Kernforschungszentrums, das dort unter anderem einen Versuchs-Reaktor betrieb. Geesthacht und die umliegenden Orte sind eines der Gebiete mit der höchsten Leukämiedichte weltweit. Das Misstrauen der lokalen Bevölkerung war entsprechend groß. Erst als sich beide Seiten darauf einigten, sämtliche Entscheidungen im Konsens zu treffen, konnte Vertrauen aufgebaut und damit die Grundlage für eine breite Bürgerbeteiligung geschaffen werden. Das andere Beispiel ist der Ort Suhl bei Weimar. Dort startete der Student Christoph Hubrich für seine Bachelor-Arbeit die fiktive Suche nach einem Atommüll-Endlager. Er hängte Plakate auf und konnte so innerhalb kürzester Zeit eine enorme Resonanz erzielen.

Das Gegenbeispiel ist laut Stay die seit über einem Jahr existierende Atommüll-Endlager-Kommission auf Bundesebene. Diese soll zwar - laut offiziellem Auftrag - ebenfalls Bürgerbeteiligung organisieren. Doch erst zum 20. Juni sollen Bürger in Berlin angehört werden - und was am Ende jedoch mit ihren Beiträgen geschehen soll und welcher Einfluss ihnen zugebilligt wird, ist völlig offen. "Wir wollen keine Unruhe erzeugen", diese Einstellung ist für Jochen Stay typisch für den Zwiespalt zwischen Anspruch und Wirklichkeit bei der Kommission in puncto Bürgerbeteiligung.

Stay gelang es, auch scheinbar tröge Themen wie etwa die Sprachkritik durch humorvolle Beispiele zu würzen. So zeigte er etwa auf, dass bei Umfragen mit gleichem Wortlaut, bei denen lediglich der Begriff Atomkraft durch Kernkraft ersetzt wird, zu deutlich abweichenden Prozent-Ergebnissen führt. Und hinsichtlich des "deutschen Atomausstiegs" musste er schmunzelnd anerkennen, dass es sich dabei um eine Meisterleistung der Public Relations handelt. Würde ein guter Freund zu ihm sagen, er wolle im Jahr 2022 das Rauchen aufgeben, würde er antworten: "Hoffentlich erlebst Du das noch!" Stay betont, dass Deutschland mit derzeit 9 Atom-Reaktoren zweitgrößter Atomstrom-Produzent in Europa ist und so Tag für Tag weiter strahlender Müll produziert wird. Selbst wenn die Atom-Reaktoren tatsächlich wie derzeit verlautbart bis 2022 nach und nach stillgelegt werden, wachse die Hinterlassenschaft bis auf 17.000 Tonnen hochradioaktiven Atommüll.

Bewunderung nötigte ihm nach eigenen Worten auch eine Äußerung des damaligen Bundesumweltministers und heutigen Bundeskanzlerinamtsministers Peter Altmaier ab, dieser Müll hätte nie produziert werden dürfen. Doch auf Stays frage, warum Altmaier dann im Sommer 2011 dafür gestimmt habe, dass der Weiterbetrieb von 9 Atom-Reaktoren erlaubt wird, habe dieser keine Antwort gewusst.

Die Anti-Atom-Gruppe Freiburg hatte Jochen Stay, Sprecher der Initiative .ausgestrahlt, nach Freiburg eingeladen und zeigte sich hoch erfreut, dass das Jos Fritz Café mit über 70 Interessierten geradezu aus den Nähten platzte. Etliche Zuhörer verfolgten den Vortrag bei geöffneten Türen auch vom Innenhof aus.