Ein Jahr nach Fukushima – was macht die Anti-AKW-Bewegung?

Pressemitteilung der AAFr vom: 

Sonntag, 4. März 2012

Durch die Katastrophe mobilisiert – Eine Japanerin in Freiburg
Der 11. März ist in Japan zu einem unvergesslichen Datum geworden. Erdbeben, Tsunami und Super-GAU änderten das Leben vieler Menschen gewaltig, auch wenn sie nicht direkt betroffen waren. Das gilt auch für Japanerinnen und Japaner, die schon vor der Katastrophe in Freiburg lebten.
"Mein Leben ist nach Fukushima ganz anders geworden. Bestimmt wäre ich nie auf die Idee gekommen, selber Veranstaltungen gegen Atomkraftwerke zu organisieren oder auf einer Kundgebung zu sprechen." sagt Mika Kumazaki, Umweltaktivistin aus Tokio, die bei der Großdemonstration am 28.5.2011 auf dem Stühlinger Kirchplatz einen Rede hielt. Seit einem Jahr engagiert sie sich in der Anti-Atom-Gruppe Freiburg, wo sie durch ihre engen Kontakte nach Japan wichtige Informationsarbeit leistet. "Ich habe im vergangenen Jahr wirklich viel erlebt, und deswegen kommt es mir sehr lang vor. Aber trotzdem kann ich kaum glauben, dass seit Beginn der Katastrophe schon ein Jahr vergangen ist", blickt die 31-Jährige zurück und fügt hinzu: "Auf jeden Fall ist ein Jahr doch viel zu kurz, um alles der Vergessenheit zu überlassen."
Auf die Frage, ob Fukushima vergessen zu sein scheint, nickt Kumazaki, "das ist nicht nur in Deutschland so, sondern überall, einschließlich in Japan." Aber in Deutschland sei es offensichtlich, dass der Atom-Protest schwächer geworden ist. "Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass in Deutschland der Anschein erweckt wird, dass der Ausstieg aus der Atomkraft schon vollzogen sei. Aber bis 2022 gibt immer noch die Möglichkeit eines Super-GAU. Vor allem werden wir Bürgerinnen und Bürger in Freiburg von der großen Gefahr der alten Atommeiler in Fessenheim bedroht." Dabei gehe es nicht nur um das Risiko eines Störfalls. "Menschen, die in der Nähe von einem AKW leben, erkranken mit höherer Wahrscheinlichkeit an Krebs als anderswo. Das müssen wir noch ernster nehmen, und am 11.3. ist ein passender Anlass, mit den Nachbarn zusammen zu arbeiten", meint Kumazaki. Sie wird an der am 11.3. geplanten Menschenkette zwischen Lyon und Avignon in Südfrankreich teilnehmen, um den Atomausstieg im Nachbarland zu unterstützen. "Diese Aktion wird historische Bedeutung haben, egal wie gut sie gelingt," glaubt Kumazaki. "In Deutschland gibt es viele Beispiele, wie Bürger die Gesellschaft verändert haben. Warum soll es nicht gerade in Frankreich möglich sein, wo die erste bürgerliche Revolution stattfand?"
Zur Menschenkette fahren Busse auch aus Freiburg. Kumazaki ruft zum Mitfahren auf. "Ich möchte so etwas wichtiges nicht mehr den anderen überlassen. Ich möchte selber etwas tun. Und ich bin mir sicher, dass jeder die Kraft hat, die Welt nach und nach zu verbessern. Man muss es jetzt tun".

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